Ein letzter Kuss



D: Stefano Accorsi, Giovanna Mezzogiorno, Stefania Sandrelli, R: Gabriele Mucciono, 115 Min.

In Italien war "L'Ultimo Bacio", so der Originaltitel, ein riesiger Erfolg - dies nicht zu Unrecht. Der Film erzählt von einem Männer-Freundeskreis, in dem jeder kurz vor dem 30-Jahre-alt-werden in eine Lebenskrise stürzt - fast jeder, nur Marco (Pierfrancesco Favino) nicht, der seine große Liebe heiratet und glücklich ist. Was aber ist mit den anderen? Paolo (Claudio Santamaria) kommt einfach nicht darüber hinweg, nicht mehr mit Adrianna (Regina Orioli) zusammen zu sein - sieht er sie, dann winselt er beinahe um eine neue Chance und rastet dann völlig aus, wenn sie ihm klar macht, dass er diese nicht bekommen wird. Adriano (Giorgio Pasotti) war mit seiner Freundin Livia (Sabrina Impaccatiore) glücklich, bis die beiden Eltern wurden. Seitdem gibt es keinen Sex mehr, dafür jede Menge Streit. Alberto (Mario Cocci) lebt so vor sich hin, vögelt jede fast Nacht eine andere, kifft sich die Birne zu - hat seinen Lebensweg aber auch noch nicht gefunden. Fehlt noch die Hauptperson des Films, Carlo (Stefano Accorsi). Als ihm seine bildhübsche Freundin Giulia (Giovanna Mezzogiorno) eröffnet, dass sie ein Kind von ihm erwartet, ist er glücklich, jedoch wird ihm schnell klar, dass sein Leben in Zukunft anders ablaufen wird, geordneter, festgelegter, verantwortungsvoller. Als ihm dann auch noch Adriano erzählt, was bei ihm zuhause vor sich geht, mehren sich die Zweifel an einer glücklichen Zukunft, an der Zufriedenheit, mit dem bisherigen (Aus-)Leben abgeschlossen zu haben, auch wenn er ja schon seit drei Jahren mit Giulia zusammen lebt und ihr treu immer treu war. War es das? Kann er dies immer bleiben? Giulias Mutter Anna (Stefania Sandrelli) ihrerseits ist natürlich längst weit jenseits der 30 Jahre, gerät aber mit ihren 50 Lenzen auch in eine Krise, durch das Glück der Tochter, denn von ihrem Mann fühlt sie sich längst nicht mehr begehrt. Sie sehnt sich zurück, zu einem anderen, oder zu einer Affäre, wie sie sie vor einigen Jahren hatte, was niemand weiß. Jede Menge Probleme also allerorten - und Eskalationen bleiben nicht aus. Carlo lernt auf Marcos Hochzeit die 18-jährige, schnuckelig süße Francesca (Martina Stella) kennen, die ihn auf ihre jugendliche Art anbaggert, da er ihr erzählt, mit seiner Freundin sei es fast aus - der erste Schritt ins Chaos. Ohne Giulias Wissen verabredet er sich bald mit Francesca, fühlt sich jung, will es nochmal wissen - und es kommt zur wilden Knutscherei. Carlos Alibi platzt, als Paolos Vater stirbt und sich die Freunde alle bei ihm treffen, um Trost zu spenden. Dort trifft Giulia Adriano, mit dem sich Carlo treffen wollte, so hatte er es ihr jedenfalls vorgegaukelt. Die schwangere Giulia ahnt, was vor sich geht, ist verzweifelt und nimmt sich vor, Carlo sofort vor die Tür zu setzen, sobald er nach Hause kommt. Zwischen den beiden ist also alle Herrlichkeit vorbei...

"Ein letzter Kuss" ist ein Film, der einen bewegt, weil er sehr reell wirkt und man seine Identifikationsperson sicher schnell findet, ob es nun der eigentlich solide Carlo ist, der der jungen Versuchung nicht widerstehen kann, die treue Giulia, für die ein Traum zusammen bricht, die deprimierte Anna, der genervte Adriano, der verzwifelte Paolo, der glückliche Marco oder der Lebemann Alberto. Der Film erzählt von einem Streben, zu fliehen, das einen plötzlich packen kann und dem man entweder gar nicht, in den Träumen, unglücklich oder doch wirklich nachgehen kann. Adriano trägt diesen Drang am deutlichsten in sich, er malt sich aus, mit dem Schiff seines Onkels um die Welt zu segeln oder im Camper durch Afrika zu fahren, am besten mit all seinen freunden, nur weit weg von Adrianna. Ob er am Ende wirklich auf Reisen geht?

Fazit: Regisseur Gabriele Mucciono ist ein packender Film gelungen, dessen Schauspieler überzeugen, der aber noch mehr mit seiner Handlung gefangen nimmt.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)