LOMMBOCK
Darsteller:  Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu, Louis Hoffmann, Wotan Wilke Möhring
Regie:  Christian Zübert
Dauer:  106 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.wildbunch-germany.de/movie/lommbock
Facebook:  www.facebook.com/lommbock
 

Sage und schreibe 15 Jahre sind vergangen, seit Stefan (Lucas Gregorowicz) den zusammen mit seinem Bruder im Geiste Kai (Moritz Bleibtreu) betriebenen, florierenden Pizza/Marihuana-Bringdienst "Lammbock" zugunsten der Eröffnung einer Strandbar in der Karibik verlassen hat. Und anders als diverse andere Fortsetzungsgeschichten macht das Team rund um Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert gar nicht erst den Versuch so zu tun, als wäre inzwischen nichts passiert, um nur ja die Stimmung des so erfolgreichen Vorgängers zu konservieren. Das ist sehr sympathisch, denn 15 Jahre gehen selbst an einem noch so gesund lebenden Schauspieler nicht spurlos vorüber, und so lief schon die eine oder andere Produktion schnell Gefahr ein Gefühl der Unglaubwürdigkeit zu produzieren.

Nicht aber hier, wo die 15 Jahre eins zu eins in die Handlung transferiert wurden, und Stefan sein Glück inzwischen in Dubai gefunden zu haben glaubt. Zwecks Auftreibens einer Geburtsurkunde für seine kurz bevorstehende Hochzeit mit der Millionärstochter Yasemin (Melanie Winiger) kreuzt er aber mal wieder bei seinem alten Kumpel Kai auf, dessen Leben sich seitdem tatsächlich nicht grundlegend verändert hat. Zwar hat er das Dealen eingestellt und betreibt "Lammbock" inzwischen als reinen Asia-Food-Service "Lommbock" - und nicht etwa "Lombok", wie Stefan sofort geistesgegenwärtig bemerkt, denn so fiel die Änderung des Firmenschilds überaus kostengünstig aus - und hat in seiner Beziehung so manchen Strauß mit seinem Stiefsohn Jonathan (Louis Hoffmann) auszufechten, doch ist ihm seine lockere Lebenseinstellung weitgehend erhalten geblieben.

Hat auch der Zahn der Zeit, wie eingangs erwähnt, an den Darstellern genagt, so gelingt es ihnen doch ganz hervorragend, dieses Gefühl alter Vertrautheit zu transportieren, das sich beim Wiedersehen der Buddys unweigerlich einstellt. Auch wenn die Ambition des erfolgreichen Juristen Stefan auf den nach wie vor irgendwie in den Tag hineinlebenden Kai trifft, so drehen die beiden spätestens beim ersten gemeinsamen Joint gewaltig an der Uhr und katapultieren uns direkt in die "Lammbock"-Zeit. So gelingt es Zübert auch ohne kleinen Betrugsversuch, das angenehme Wohlfühlklima des Vorgängers zu erzeugen, bei dem die Welt noch in Ordnung und das Leben so herrlich unbeschwert war.

Das aber ist es nicht mehr, denn wie sich herausstellt, ist Stefan weniger zufrieden, als er zugibt. Und auch Kai kann nicht leugnen, dass ihn seine Beziehungsprobleme samt Ankündigung Jonathans, die Schule zu schmeißen, schwer mitnehmen. Aber alles nicht schlimm, sind die beiden halt wie alle Anderen auch angekommen im Alltag der Mittvierziger. Ganz im Gegenteil, denn es macht die Geschichte umso sympathischer, sind die Probleme der beiden umso nachvollziehbarer. Und schließlich sind da ja auch noch Jonathans Verwicklungen in Drogengeschäfte, die unsere Protagonisten wieder geraderücken müssen. Das alles macht wie in "Lammbock" einfach pausenlos mächtig Spaß und die Handlung gewinnt gegenüber dem schon großartigen Vorgänger sogar noch an Tiefe, gerade wegen der vergangenen 15 Jahre.



Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)