Lost in Translation



D: Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, R: Sofia Coppola, 102 Min.

Bob Harris (Bill Murray) war mal ein erfolgreicher Hollywood-Star, und auch wenn dies längst nicht mehr so ist, bieten ihm Japaner 2 Millionen Dollar für Whisky-Werbung in Form eines Fernsehspots und einiger Fotos an. Da man sich eine solche Offerte natürlich nicht entgehen lassen kann, reist Bob von Los Angeles nach Tokyo. Dort angekommen wird er sehr freundlich begrüßt, und selbst das Fax seiner Frau, dass er den Geburtstag seines Sohnes vergessen hat, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Als er spät abends immer noch nicht schlafen kann, geht er in die Hotelbar, wo er aber von zwei Amerikanern erkannt wird, was ihn beschließen lässt, dass es auf dem Zimmer doch gemütlicher ist. Als er endlich müde zu werden scheint, fragt seine Frau um 4.20 Uhr morgens per laut rattendem Fax ab, welchen Schrank er für das neue Haus kaufen möchte. Ähnlich fühlt sich gleichzeitig in einem anderen Zimmer des Hotels hoch über den Dächern Tokyos Charlotte (Scarlett Johansson). Sie begleitet ihren Mann John (Giovanni Ribisi), einen erfolgreichen Fotografen, zu einem Fotoshooting mit einer Rockband, ist aber hiervon völlig gelangweilt. Trotzdem kann sie nicht schlafen, während John vor sich hin schnarcht. Der Morgen beginnt nicht viel besser. Das automatische Aufziehen der Gardinen läutet den Tag ein - und die Dusche geht Bob gerade mal bis zum Hals. Etwas später dreht er seinen Werbespot. Während er mit einem Eistee im Whiskyglas in schickem Anzug auf einem englischen Clubsessel sitzt, plaudert der Regisseur ununterbrochen und aufgeregt Regieanweisungen, die Bobs Dolmetscherin immer nur mit wenigen Worten übersetzt. Alles merkwürdig in Japan! Währenddessen läuft Charlotte alleine durch die überwältigend große Stadt und fühlt sich verloren und befremdet. Zurück im Hotel langweilt sie John mit seinen Stories vom Shooting. Weniger langweilig geht es bei Bob zu, den eine plötzlich vor der Tür stehende, aber völlig unsexy agierende Liebesdame zu begeistern versucht. Nach der ebenfalls merkwürdigen Werbefoto-Session wird Bob gebeten, noch ein paar Tage in Tokyo zu bleiben, um an einer bekannten Talkshow teilnehmen zu können. Auch wenn er eigentlich lieber sofort als gleich fliehen würde - seiner Karriere könnte es helfen, also bleibt er. Abends in der Bar treffen Charlotte und Bob aufeinander und flirten ein wenig, nicht zum letzten Mal. Natürlich ist Bob viel zu alt für die junge, hübsche Frau, als dass man Hintergedanken vermuten müsste, aber in der Folgezeit verbringen beide einige Zeit miteinander. Das Schicksal des Alleinefühlens in der verrückt anmutenden Fremde schweißt sie zusammen, ob sie nun mit Charlottes Freunden in einen Club gehen, Karaoke singen oder einfach durch die Stadt laufen. Die intelligente Philosophiestudiums-Absolventin hat mit Bob weit mehr Spaß als mit John und seinen Freunden...

"Lost in Translation" ist ein witzig gemachter Film der leisen Komik, die durch skurrile Bilder und Situationen wirkt, nicht durch Slapstick. Bill Murray spielt einfach großartig und ist die ideale Besetzung für den stoische Ruhe ausstrahlenden Ex-Star. Aber auch Scarlett Johansson weiß voll zu überzeugen. Die Verbundenheit von zwei eigentlich Fremden durch örtliches Stranden in der Fremde erinnert an die Poesie des großartigen "Before Sunrise", nur dass hier keine endlosen Diskussionen im Mittelpunkt stehen und keine Romanze passieren kann - darf - oder doch? Klasse Film von Sofia Coppola, der nicht viel Aufwand nötig macht, um zu begeistern. Wohltuend.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)