Luna Papa

D: Moritz Bleibtreu, Chulpan Khamatova, Merab Ninidze, R: Bakhtiar Khudojnazarov, 107 Min.

Was für ein außergewöhnlicher, poetischer, schöner Film, der uns da zwischen lauen Streifen wie "Der Sturm" und "Der Patriot" den Kinosommer versüßt. Österreich, Deutschland, Russland, Schweiz, Frankreich - nicht weniger als diese fünf Länder waren an der Produktion beteiligt. Man sieht ein kleines, armes Dorf in Usbekistan, wo die 17-jährige Mamlakat (Chulpan Khamatova) mit ihrem verwitweten Vater Safar (Ato Mukhamedshanov) und ihrem seit dem Einsatz im Krieg mit Afghanistan geistig behinderten Bruder Nasreddin (Moritz Bleibtreu) lebt. Die letzte Ecke Zentralasiens, so scheint es, wo Recht und Ordnung kaum existieren, höchstens verkörpert durch eine Truppe von aggressiven Soldaten, die in einem alten Panzer durch die Gegend fahren. Ansonsten gibt es vor allem Armut, unspektakuläres Leben, sowie einige Gangster und Betrüger. Da ist es schon etwas Besonderes, wenn Theatergruppen per Flugzeug ins Dorf kommen, um ein Stück aufzuführen, vor allem für Mamlakat, die davon träumt, Schauspielerin zu werden. In einer dieser Nächte wird sie nach dem Besuch eines Theaterstücks von einem Mann im Dunkel geschwängert, der sich als Scauspieler ausgibt und behauptet, mit Tom Cruise befreundet zu sein. Kaum ist der Liebesakt, irgendwie beim Abrutschen von einer Böschung eingefädelt, beendet, ist der Mann weg, und kurz darauf wird ihr klar, dass sie ein Kind im Leib trägt. Mit ihrer besten Freundin Sube fährt Mamlakat in die Stadt, um abtreiben zu lassen, doch leider stirbt der Arzt kurz vor dem Zur-Tat-Schreiten und sie bleibt schwanger. So sanft sie auch versucht, ihrem Vater die Sache beizubringen, er rastet aus und hat nur noch eines im Sinn: denjenigen zu finden, der seiner Tochter dies angetan hat. Zusammen mit Nasreddin machen sich die beiden in ihrem klapprigen, alten Auto auf die Suche nach Schauspielgruppen, wobei sie nicht selten auch in Vorführungen platzen, Safar ganz egal. Einige Verfolgungsjagden weiter ist der Schwängerer immer noch nicht gestellt, und Mamlakats Ruf im Dorf dahin, wird sie - mit zunehmend rundem Bauch, aber ohne Mann - als Hure angesehen und gemieden, wenn nicht sogar fertig gemacht. Verzweifelt verlässt sie ihre Heimat, um kurz darauf einen Mann wiederzutreffen, der sich in sie verliebt. Die Rettung?
"Luna Papa" ist ein Film, der durch schauspielerische Leistung, durch Aufnahmen, durch Handlung (die zum Schluss noch sehr kurios und abgedreht wird) und durch Stimmungen besticht. Ob Mamlakat schwanger zuckend tanzt, ob Nasreddin mal wieder mit Flaschen am Arm denkt, er sei ein Flugzeug, ob der Vater vor Besessenheit, seiner Tochter den Mann zu finden, aufgeht - poetische Momente in einem schönen, wirklich außergewöhnlichen Film, der Action, Tragik und Humor so geschickt anders einsetzt, als wir das aus Hollywood gewohnt sind, und doch so treffsicher. Moritz Bleibtreu brilliert in seiner Rolle als geistig behinderter, hierbei aber extrem lieber und fürsorglicher Bruder, und auch Chulpan Khamatova als Mamlakat spielt großartig. Unbedingt sehen!

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)