Master and Commander



D: Russell Crowe, Paul Bettany, James D'Arcy, R: Peter Weir, 140 Min.

Bis ans Ende der Welt - ähnlich weit wie es der Untertitel von "Master and Commander" verspricht, verfolgt der englische Navy-Captain "Lucky" Jack Aubrey (Russell Crowe) mit seinem Schiff "HMS Surprise" im April 1805 das französische Kaperschiff "Acheron". Einerseits hat er hierbei den Befehl vor Augen, den Gegner auf seinem Weg in den Pazifik abzufangen, bevor der Krieg auf diese Gewässer ausgedehnt werden kann. Andererseits spielen Rachegelüste eine Rolle, hat die überlegene Acheron doch beim ersten Zusammentreffen vor der Nordküste Brasiliens die Surprise angegriffen und in größte Schwierigkeiten gebracht. Nur einer dichten Nebelwand war es zu verdanken, dass von den 197 Mann Besatzung gerade mal um die zehn im Gefecht getötet wurden - und Schiffsarzt Stephen Maturin (Paul Bettany), der sich der anderen 25 Verletzten annahm. Nach erstem Unverständnis für die Entscheidung, das Schiff zu reparieren und der Acheron zu folgen, ist die Mannschaft nach kurzer Zeit wieder guten Mutes. Allerdings verändert sich die Stimmung an Bord nach und nach durch die an den Nerven zehrende Verfolgungsjagd über zwei Ozeane und durch verschiedene Wetter-Extreme (Sturm am Kap Horn, Kälte in der Antarktis und Hitze in den Kalmengürteln). Der eingeschüchterte Seekadett Hollom (Lee Ingleby) wird von der Mannschaft als Unglücksbringer ausgemacht und geht hieran zugrunde. Zwischen Maturin und Aubrey entwickeln sich Spannungen, als man die Galápagosinseln erreicht, der Wissenschaftler aber nicht die versprochene Zeit an Land gewährt bekommt, um einige völlig unbekannte Tierarten zu erkunden. Aubrey will nur eines - die Acheron vor seine Kanonenrohre kriegen. Allerdings ändert er seine Meinung, als Maturin durch einen Unfall verletzt wird - was aber noch nicht das Ende bedeutet, wie man sich denken kann...

"Master and Commander" schafft es, trotz seiner 140 Minuten Spielzeit niemals langweilig zu werden. Drei Hauptgründe gibt es hierfür. Viel zu interessant ist erstens der Einblick in das Leben auf See vor 200 Jahren, welches mittels detailfreudiger Darstellung nach langer Recherchezeit näher gebracht wird. Viel zu toll sind zweitens die Bilder von Schifffahrt, Landschaft und auch Tierwelt - zum ersten Mal überhaupt wurde für einen Spielfilm auf den Galápagosinseln gedreht. Viel zu gut sind drittens die verschiedenen Charaktere der Männer an Bord der Surprise ausgearbeitet - es braucht keinen Bösewicht als Kapitän der Acheron, nein, deren Besatzung spielt so gut wie keine Rolle. Russell Crowe spielt einmal mehr sehr überzeugend, aber auch Paul Bettany ist umwerfend gut. Regisseur Peter Weir bewies schon mit Filmen wie "Der Club der toten Dichter" oder "The Truman Show" (für den er 1999 den Oscar gewann) seine Klasse und schafft es hier erneut, eine ganz eigene Welt aufzubauen. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit John Collee auf der Basis mehrerer Patrick-O'Brian-Romane, die als hochklassige historische Romane geschätzt werden. Für detailgenaue Schiffsminiaturen sorgte die neuseeländische Special-Effects-Schmiede Weta Workshop, die schon bei "Der Herr der Ringe" mitgewirkt hatte. Begleitet wird die Handlung von abwechslungsreicher Musik dreier australischer Künstler. Iva Davies kennt man als Sänger und Songwriter von Icehouse, Richard Tognetti ist einer der weltbesten Violinisten (er brachte Russell Crowe für den Streifen die Feinheiten des Instruments bei), und Filmkomponist Christopher Gordon sorgt für orchestrale Untermalung. So findet man Folk-Klänge und perkussive Trommeln ebenso wie Klassik, bei der auch auf Elemente aus Musikstücken von Bach ("Cello Suite") und Mozart sowie weitereren großen Komponisten zurück gegriffen wurde.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)