DIE MITTE DER WELT
Darsteller:  Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Jannik Schümann, Ada Philine Stappenbeck
Regie:  Jakob M. Erwa
Dauer:  115 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.die-mitte-der-welt-film.de
 

Mit "Die Mitte der Welt" verfilmte Regisseur Jakob M. Erwa ("Heile Welt") den gleichnamigen Roman-Bestseller von Andreas Steinhöfel, 1999 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Phil (Louis Hofmann) ist 17 Jahre alt und erlebt ein eher ungewöhnliches Teenager-Dasein - und das nicht, weil er homosexuell ist. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt, und mit seiner flippigen Mutter Glass (Sabine Timoteo) und seiner leicht sonderbaren Zwillingsschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) kommt er eigentlich gut klar, auch wenn ihre für eine Kleinstadt außergewöhnliche Art die in einer alten Villa lebende Kleinfamilie etwas isoliert und die immer wieder wechselnden Freunde von Glass eine Menge Unruhe in ihr Leben bringen. Als Phil von einem Sommercamp nach Hause zurück kehrt, herrscht eine ungewöhnliche Kälte zwischen Glass und Dianne - und niemand scheint ihm eröffnen zu wollen, was vorgefallen ist. Auch die engen Familienfreundinnen Tereza (Inka Friedrich) und Pascal (Nina Proll), irgendwie auch Teil der Patchworkfamilie, wissen nicht, was los ist. Gut, dass Phil noch seine zumeist gut gelaunte beste Freundin Kat (Svenja Jung) hat, mit der er jede Menge Zeit verbringt, ob die beiden nun gerade Quatsch machen, chillend Zeit miteinander verbringen oder auch mal tiefsinnige Gespräche führen.

Nach den Sommerferien gerät Phils Gefühlswelt allerdings völlig aus den Fugen. Mit Nicholas (Jannik Schümann) kommt ein neuer Junge in die Klasse, in den sich Phil sofort verliebt - und dieser erwiedert seine Gefühle sogar. Die beiden scheinen ein Paar zu sein, und auch wenn Kat der Meinung ist, Nicholas sei irgendwie merkwürdig, spielt dieser plötzlich ganz klar die erste Geige in Phils Welt. Zu Hause läuft es auch gerade etwas besser, hat Glass doch mal einen sehr netten, neuen Liebhaber (Sascha Alexander Gersak), der sie auch nicht gleich beim ersten Ausraster wieder verlässt. Doof nur, dass die Beziehung zu Nicholas Phils Freundschaft mit Kat auf eine harte Probe stellt. Außerdem ist immer noch nicht klar, was die Eiszeit zwischen Glass und Dianne herauf beschworen hat...

Regisseur Erwa hat den Bestseller "Die Mitte der Welt" in einen guten Film umgesetzt - nicht umsonst wurde dieser beim 11. Marburger "Final Cut" Kinder- und Jugendfilmfestival gerade erst mit dem Preis für den "Besten Jugendfilm" ausgezeichnet - und er ist mehr als ein Jugendfilm. Die Probleme des Erwachsenwerdens mit einem plötzlich aufkommenden Gefühlschaos inmitten einer gar nicht gesellschaftskonformen Welt sind behutsam und mit viel Gespür für das Wesentliche auf die Leinwand gebracht worden. Bilder, Stimmungen, Musik - hier passt vieles bestens. Louis Hofmann ("Tom Sawyer", "Unter dem Sand") wurde 2014 für seine Rolle in "Freistatt" mit dem Bayerischen Filmpreis als "Bester Nachwuchsdarsteller" ausgezeichnet - auch hier spielt er hervorragend die Rolle des Phil, ein tolles Talent des deutschen Films! Im Kreis einer insgesamt sehr guten Besetzung überzeugen aber auch Svenja Jung als Kat und Sabine Timoteo als Glass. Starker Streifen, in dem es um weit mehr geht als Homosexualität und Pubertät.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)