MADAME CHRISTINE UND IHRE UNERWARTETEN GÄSTE
Darsteller:  Karin Viard, Didier Bourdon, Valérie Bonneton, Michel Vuillermoz
Regie:  Alexandra Leclère
Dauer:  103 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.madame-christine-film.de
 

Dass die Nachbarn aus Frankreich es wunderbar verstehen, heikle gesellschaftspolitische oder sozialkritische Themen in netten Geschichten aufzuarbeiten, wissen wir aus diversen Filmen - hier klappt dies allerdings nicht so gut. Es geht um die Annäherung zwischen Obdachlosen und denen, den es finanziell gut oder sogar sehr gut geht. Diese wird zwangsweise vorgenommen, als in einem harten Winter die Regierung verordnet, dass jeder, dessen Wohnung für ihn und seine Familie zu groß ist, jemanden aufnehmen muss, der ansonsten vom Kältetod bedroht wäre.

Der Film nimmt uns mit in die prachtvolle Rue du Cherche-Midi in Paris. Wir lernen verschiedene Charaktere eines Wohnhauses kennen. Christine Dubreuil (Karin Viard) bewohnt mit ihrem Mann Pierre (Didier Bourdon) eine knapp 300 Quadratmeter große Traumwohnung - was sie nicht davor bewahrt, ständig zu streiten, allerdings sind sie sich nun einig, dass sie eigentlich ihren kleinen Palast mit niemandem teilen wollen, und da kann doch evtl. eine kleine Bestechung in der zuständigen Behörde helfen. Soziologiedozentin Beatrice Bretzel (Valerie Bonneton), mit ihrem Mann Grégory (Michel Vuillermoz) eine Nachbarin der Dubreuils, verpfeift sie kurzerhand, auch weil Pierre sie seit Jahren als linkspolitisches Pack beschimpt. Aber sind sie denn selbst so offen für Neubewohner? Mit im Haus leben noch einige bunte Figuren mehr, wie ein wohlhabender, homosexueller Exzentriker (Patrick Chesnais), der nur zu gerne wieder Gesellschaft zu Hause hat in seiner riesigen, pompösen Wohnung, oder die stets schlechtgelaunte Concierge (Josiane Balasko), die als Anhängerin der Front National noch versucht, mittels einer rasch aufgebauten Website zum Tausch ex-obachloser Neubewohner Profit aus der Situation zu schlagen. Natürlich wird es turbulent, als die Obachlosen im Haus einziehen.

Regisseurin Alexandra Leclère ("Zwei ungleiche Schwestern", "Maman") scheitert beim Versuch, zu viele Thematiken in einem Film abzuhandeln. Die Charaktere werden anfangs noch gut umrissen, aber als die Obachlosen ins Spiel kommen, wird es dann doch oft unrealistisch - und viel zu langatmig. Dem Plot gehen die Ideen aus, und so müssen dann doch wieder massig Klischees herhalten, was schade ist. Der so schöne, schwarze und dabei gerne auch tiefsinnige Humor, den wir aus vielen französischen Filmen kennen, ist nur in Ansätzen zu erleben, und so plätschert der Streifen, der in Frankreich schon Ende 2015 ins Kino kam, vor sich hin.



Wertung: 4 von 10 Punkten

(Tobi)