Mulholland Drive



D: Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, R: David Lynch, 152 Min.

Nach dem Ausreißer "The Straight Story" kehrt Kultregisseur David Lynch mit "Mulholland Drive" wieder zu der für ihn typischen Machart zurück und vermischt Suspense, Thrill, eine Prise Erotik und eine mächtige Portion Abgedrehtheit und Geheimnisfülle zu seinem neuesten Werk.

Eigentlich beginnt alles sehr gradlinig. Eine dunkelhaarige, hübsche Frau (Laura Elena Harring) wird gerade auf einer abgelegenen Straße - Mulholland Drive - in den Hügeln von Los Angeles mit einer Pistole bedroht, als es zu einem Unfall kommt. Ohne Erinnerungsvermögen schleicht die nur leicht Verletzte in die Stadt und verbarrikadiert sich in einer Wohnung, die von ihrer Bewohnerin gerade zu Reisezwecken verlassen wird, wobei sie den Moment des Koffer-Raustragens nutzt, um durch die Tür zu flitzen. Kurz darauf betritt die hübsche Betty (Naomi Watts) die Wohnung, die voller Hoffnung auf eine Filmkarriere nach Hollywood gekommen ist und von ihrer Tante die Räumlichkeiten während deren Abwesenheit überlassen bekommen hat. Zuerst denkt sie, die Fremde, die sich Rita nennt, sei eine Freundin ihrer Tante, doch selbst als sie heraus bekommt, dass dies nicht stimmt, hat sie schon so viel Vertrauen gefasst, dass sie nicht die Polizei ruft. Rita erklärt ihr, sie erinnere sich an nichts, außer dass es einen Unfall gegeben habe. Nach und nach freunden sich die Frauen immer mehr an, und Betty ist bereit, Rita zu helfen, ihre Identität heraus zu finden. Schnell wird klar, dass Rita gesucht wird, und so müssen beide vorsichtig bei ihren Ermittlungen sein. Gleichzeitig wird ein Blick auf das Leben des Erfolgsregisseurs Adam (Justin Theroux) geworfen, dessen tolles Leben von seinen bizarren Finanziers binnen Stunden zerstört wird. Hinzu kommen die Lynch-typischen Randfiguren - ein Albträumer, ein Cowboy, ein unfähiger Auftragskiller, ein mysteriöser Mogul im Rollstuhl. Der Rahmen der Realität wird irgendwann plötzlich durch einen blauen Schlüssel zu verbotenen Räumen und Träumen verlassen, und erst am Schluss versteht man wieder, was los ist. Oder doch nicht?

"Mulholland Drive" ist ein Film, den Fans von Lynchs Filmen lieben werden, dem diejenigen, die mit ihnen nichts anzufangen wissen, aber sicher nichts abgewinnen können. Realitätswahn sollte man nicht besitzen, wenn man ihn sehen möchte, dies ist aber wohl klar. Story, Schauspieler und Erzählweise wissen ebenso zu überzeugen wie Bilder, Musik (mal wieder von Angelo Badalamenti) und vor allem Stimmungen. Klasse Streifen.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)