Nirgendwo in Afrika



D: Juliane Köhler, Merab Ninidze, Lea Kurka, R: Caroline Link, 140 Min.

Caroline Link ist eine der wenigen deutschen Regisseurinnen, von denen man Qualität gewohnt ist - "Jenseits der Stille" und "Pünktchen und Anton" machten sie bekannt. Nun kommt mit "Nirgendwo in Afrika" ein neuer Film von ihr in die Kinos, und wieder ist ihr ein herausragender Streifen gelungen.

Die jüdische Familie Redlich flieht 1938 vor dem aufkommenden Judenhass der Nazis nach Afrika. Zuerst ist es nur Walter Redlich (Merab Ninidze), der zuhause Anwalt war und nun als Verwalter die Farm eines Engländers in Kenia umsorgt. Seine Frau Jettel (Juliane Köhler) und Tochter Regina (Lea Kurka) folgen ihm nach, können sich aber nur schwer an das Leben in der Fremde gewöhnen - vor allem Jettel will das gewohnte gutbürgerliche Leben mit Parties und Luxus nicht gegen die Einöde Kenias eintauschen, wo der Farmbesitzer die Familie spüren lässt, dass sie seine Untergebenen sind und froh sein können, für ihn arbeiten zu dürfen. Walter braucht einige Zeit, um Jettel klar zu machen, dass in der Heimat der Tod gewartet hätte. Guter Geist der Farm ist der Schwarze Owuor (Sidede Onyulo), der als Koch für die Redlichs sorgt und stolz ist auf seinen Stand als Bediensteter auf einer Farm. Jettel braucht ihre Zeit, um sich mit ihm anzufreunden, während die kleine Regina schnell Zutrauen gewinnt und von Owuor viel über das Land Kenia lernt, seine Menschen, seine Sprache, seine Bräuche. In der Ehe von Walter und Jettel kriselt es unterdessen durch die neue Umgebung mächtig, es kommt immer öfter zum Streit. Als der Krieg ausbricht, internieren die Engländer alle Deutschen, und so kommt Walter in eine britische Kaserne, während Jettel und Regina es besser erwischt haben, mit einem Luxusgefängnis, da es sich um ein Nobelhotel in Nairobi handelt, wo es den Frauen und Kindern mehr als gut geht. Mit erster Aktivität erreicht Jettel, dass die Frauen ihre Männer besuchen dürfen, und sie verhilft ihrem Mann, dem auf der alten Farm gekündigt wurde, zu einem neuen Job auf einer anderen Farm. Für Regina ist die Welt erst in Ordnung, als Owuor und Rummler, der Hund der Familie, nachkommen. Mit den schwarzen Kindern der Umgebung freundet sie sich an, besonders mit dem Pokot-Jungen Jogona. Dann aber verlässt sie die Farm für einen Großteil des Jahres, um die Nakuru School der Engländer zu besuchen. Hier hat sie anfangs einen schweren Stand, lernt English aber schnell und überzeugt durch gute Leistungen und vorbildliches Verhalten. Zwei Jahre später besucht die inzwischen 12-jährige (Karoline Eckertz) wieder mal die Farm der Eltern in den Ferien. Plötzlich erfahren die Redlichs, dass Jettels Mutter und Schwester zur Zwangsarbeit nach Polen verschleppt wurden - in den sicheren Tod also. Walter grübelt, wie es seinem Vater wohl geht, von ihm gibt es nämlich kein Lebenszeichen. Der Streit der Redlichs geht auch mit Trauer und Wut weiter. Als 1943 die Nazis Niederlagen im Afrikakrieg hinnehmen müssen, bieten die Briten Walter eine Stelle beim Militär in Nairobi an. Jettel weigert sich, noch einmal umzuziehen, und so sehen sich die beiden nur noch am Wochenende, während Süßkind (Matthias Habich), ein guter Freund der Familie von Anfang an, immer mehr Zeit mit Jettel verbringt, die sich immer mehr zu einer guten Farmverwalterin entwickelt. 1947 bekommt Walter nach Kriegsende das Angebot, als Richter am Frankfurter Amtsgericht nach Deutschland zurück zu kehren. Werden Jettel und Regina mit ihm gehen? Wird er gehen? Was wird aus Süßkind und Jettel?

"Nirgendwo in Afrika" ist ein toller Film, der die Judenproblematik im dritten Reich mal in einem ganz anderen Licht zeigt, in der Ferne nämlich, wo Rettung und Neuland zusammen liegen. Die Verfilmung eines Romans von Stefanie Zweig setzt auf Authentizität, was die gezeigte Lebensform und die Rituale der Schwarzen in Kenia betrifft, und so lernt man eine Menge über sie. Die Handlung des Streifens bleibt durchgehend interessant und ergreifend, Stimmungen werden gut zum Zuschauer transportiert. Die Besetzung der so konträren Charaktere ist sehr gut gelungen, vor allem die zauberhaft spielende und sehr niedliche Lea Kurka und Sidede Onyulo als guter Geist wissen zu begeistern, aber auch Juliane Köhler und Merab Ninidze spielen sehr gut, wobei bei ihnen teilweise die Dialoge etwas aufgesetzt klingen, was schade ist - nicht der Inhalt der Streits ist es, der unwirklich herüber kommt, man hat nur den Eindruck, man sieht die Schauspieler vor dem Mikro stehen beim Nachsynchronisieren. Dies ist aber nur ein winziges Manko und auch nur stellenweise auffallend, den großartigen Gesamteindruck des Filmes kann es nicht schmälern. Unbedingt sehen!

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Tobi)