NOCTURAMA
Darsteller:  Finnegan Oldfield, Hamza Meziani, Vincent Rottiers, Jamil McCraven
Regie:  Bertrand Bonello
Dauer:  130 Minuten
FSK:  unbekannt
Website:  www.realfictionfilme.de/filme/nocturama
 

"Paris est uns fête" (Paris ist ein Fest) wollte Bertrand Bonello seinen Film über eine Gruppe junger Menschen, die zusammen Anschläge in der französischen Hauptstadt verüben, eigentlich nennen. Über mehrere Jahre hatte er an diesem Film gearbeitet, und dann kam der 7. Januar 2015, als Terroristen in der Redaktion von "Charlie Hebdo" ein Blutbad anrichteten. Nicht nur das, wie wir leider wissen kam der 13. November 2015 mit weiteren verheerenden Attentaten und 130 Toten - und Paris war irgendwie nicht mehr nur ein Fest, sondern auch Ingebriff des Terrors geworden, so traurig dies ist. Bonello nannte seinen Film in "Nocturama" um, und doch floppte er in Frankreich nach seinem Kinostart im August 2016. Klar, keiner hatte Lust, sich vom Terror auch noch unterhalten zu lassen.

Wir schreiben Mai 2017 und haben etwas mehr Abstand gewonnen - zumindest zeitlich. "Nocturama" kommt in unsere Kinos, und wenn man die damaligen Anschläge mal außen vor lässt - was emotional beim Anschauen nicht so recht gelingt - dann hat der Film als solcher durchaus seinen Reiz. Terrorismus wird hier natürlich nicht glorifiziert, sondern eher ad absurdum geführt. In nur sehr wenig von Gesprochenem begleiteten Bildern fast dokumentatorischer Machart begegnen wir einer Gruppe von Parisern zwischen 17 und 22 Jahren. Sie kommen aus der Vorstadt oder auch aus bürgerlichen Vierteln der Stadt. Mit ihrer Mischung aus Migrationshintergrund und keinem spiegeln sie das multikulturelle Bild der Einwohner gut wider, in ihrer Mischung aus schlauen Köpfen und Tagträumern die Gesellschaft. Die dichte Atmosphäre der Bilder baut Spannung auf, die stellenweise begleitende Musik tut ihr Übriges. Sie begegnen sich hier und dort, vereinzelt, in den Straßen, in der Metro. Sie tauschen Blicke voller Anspannung aus, oder Textnachrichten per Smartphone. Dann trennen sich die Wege wieder. In Rückblicken erfahren wir davon, dass sie Anschläge in Paris planen, an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit. Aus Frust, aus Wut, und aus Lust. Wir begleiten sie bei der Vorbereitung, die zumeist reibungslos abläuft - und schließlich steuern sie alle ein Nobel-Kaufhaus kurz vor Ladenschluss an, um dort dann zu verweilen und zu beobachten, wie draußen das Chaos ausbricht, als die Bomben explodieren. Und das nicht wie in einer Kommandozentrale, nicht übermäßig aufgeregt, eher mit Genugtuung - so dass sie sich den Kosumgütern der Gesellschaft, die sie ins Mark treffen wollen, dann nur zu gerne hingeben.

"Nocturama" ist alles andere als leichte Abendunterhaltung, und nicht nur wegen seiner 130 Minuten Spielzeit auch nichts für Zwischendurch. Der Film besitzt in all seiner Schwere aber auch Reizvolles auf Grund der diversen Charaktere, der oben beschriebenen, dichten Machart und dem absurde Szenen bescherenden Zufluchtsort der zu Staatsfeinden mutierten Gruppe.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)