O Brother, Where Art Thou?

D: George Clooney, John Turturro, Tim Blake Nelson, R: Joel Coen, 107 Min.

Die Coen-Brüder Joel (Regie, Drehbuch) und Ethan (Produzent, Drehbuch) konnten mit ihren bisherigen Filmen wie "Arizona Junior", "Barton Fink" oder "Fargo" sowohl Kritiker als auch Zuschauer begeistern. "O Brother, Where Art Thou?" heißt ihr neuester Streich, mit dem selbiges gelingen wird. Basierend auf der "Odyssee" von Homer erzählen sie die Geschichte dreier Gefängnisflüchtlinge im Süden der USA, zur tiefsten Depressionszeit. Bei der Besetzung der völlig konträren Rollen hat man voll ins Schwarze getroffen. Frauenschwarm George Clooney spielt Everett Ulysses McGill, durch dessen Selbstverliebtheit und Eitelkeit eine wunderbar selbstironische Rolle. John Turturro, der bereits in drei Coen-Filmen mitgewirkt hatte, übernahm den Part des ruhigen, teilweise apathisch dreinblickenden, aber doch nachdenklichen und manchmal aufmüpfigen Pete, der neicht einsehen will, warum Everett das Sagen haben soll. Mit Tim Blake Nelson suchte man sich einen eher unbekannteren Schauspieler für die Rolle des lieben, aber sehr naiven Delmar aus. Ein wunderbares Trio, wie für einen Comic gemalt. Inhaltlich geht es um die Flucht der drei gutherzigen Knastbrüder vor den sie suchenden Ordnungshütern, und um ihren selbst unbemerkten Aufstieg zu Musikstars. Es geht um eine politische Fehde zwischen einem altbackenen Stinkstiefel und einem mit Versprechungen und guter Werbekampagne das Volk auf seine Seite ziehenden Unsympathen, der sich auch noch als politisch alles andere als korrekt outet. Es geht um Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen. Es geht um die Liebe Everetts zu seiner Ex-Frau Penny (mitsamt vielen Kindern), die einen aalglatten Emporkömmling heiraten will. Es geht um die Suche nach einem Schatz, von dem Everett immer erzählt. Es geht um schräge Vögel wie den Gangster George Nelson (Michael Badalucco) oder den hinterhältigen, einäugigen Bibelverkäufer Big Dan Teague (John Goodman). Es geht um Petes vermeintliche Verwandlung in einen Frosch. Es geht um Everetts ständige Suche nach der richtigen Haarpomade und Haarnetzen zur Pflege seiner immer perfekt sitzen sollenden Frisur. Und um vieles mehr. All dies haben die Coen-Brüder geschickt um Elemente aus der "Odyssee" herum aufgebaut und mit großartigen Dialogen und Bildern in Szene gesetzt. "O Brother, Where Art Thou?" macht sehr viel Spaß und wird nie langweilig, im Gegenteil, der Streifen ist von der ersten bis zur letzten Minute interessant und intelligent gemacht. Man hat viel zu lachen, wird aber auch mal mit herberen Szenen konfrontiert. Schauspielerisch weiß nicht nur George Clooney endlich mal voll zu überzeugen, auch die anderen stehen ihm in nichts nach. Eine wahre Freude - zu empfehlen.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)