Oi! Warning

D: Sascha Backhaus, Simon Goerts, Sandra Borgmann, R: Dominik und Benjamin Reding, 90 Min.

Der Weg eines jungen Mannes vom Normalo zum Skinhead als Debütfilm der Regisseur-Zwillinge Dominik und Benjamin Reding heimste rund um den Globus bereits acht Filmpreise ein, nationale und internationale. Warum? Weil "Oi! Warning" Klartext redet, hier wird nichts beschönigt, nein, es wird schockiert, und das mit einer Geschichte, die sehr real scheint. In Schwarz-Weiß haben die Brüder den Film gedreht, und dies passt auch viel besser als eine Farbenpracht zum Inhalt, verstärkt die Wirkung, die Konzentration auf das Wesentliche. Im Mittelpunkt steht Janosch (Sascha Backhaus), 17 Jahre, der kurz vor dem Abi von der Schule fliegt und von zuhause abhaut. Vom Bodensee geht es nach Dortmund, wo er seinen alten Roller-Kumpel Koma (Simon Goerts) aufsucht, der mit seiner Freundin Sandra (Sandra Borgmann) zusammen wohnt und bald Nachwuchs erwartet. Koma ist Skinhead, auch gewaltbereit, jedoch ohne politische Motivation, nicht rechts, nicht links. Er erfreut sich am Zusammensein mit anderen Oi-Skins, wenn man zu Skamusik tanzt, singt, sich besäuft. Und Koma ist stark, von seinem Job als Kistenpacker in der Brauerei und vom Kickboxtraining. Janosch ist beeindruckt und Koma freut sich, ihn mit in die Clique bringen zu können, denn nun hat er jemanden, der garantiert zu ihm aufschaut. Es dauert nicht lange und Janosch wird ebenfalls zum Skinhead, nimmt Komas Verhaltensmuster an und gehört dazu. Pogotanzen, Saufen - und ab und zu mal zuschlagen, auch das lernt Janosch, als Koma mit ihm zusammen einen Punk am Baggersee blutig drischt. Beim Tätowierer lernt Janosch kurz darauf Zottel (Jens Veith) kennen, ebenfalls Punk, ein netter Chaot, der sich nicht um Sauberkeit schert, kifft, säuft, sich um seine Schäferhündin kümmert und mit einer Feuerschluckertruppe über das Land zieht. Bald kommt es zum Konflikt zwischen Koma und den Punks, und plötzlich weiß Janosch nicht mehr, zu wem er halten soll...
"Oi! Warning" ist ein Film, der mit starken Bildern voller Emotionen beleuchtet, wie ein zielloser Jugendlicher zu etwas wird, was er nicht ist, und wie er plötzlich das Chaos seiner Umgebung in sich aufnimmt und aufrechter Stolz zu einer Beklemmung für ihn wird, aus der ein Ausweg schwer scheint. Ein Film, der den Zuschauer nicht unberührt lässt und der somit sein Ziel erreicht, Wirkung erzielt. Ein Film, über den man nachdenkt. Mal keine leichte Unterhaltung. Empfehlenswert.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)