DIE PÄPSTIN
Darsteller:  Johanna Wokalek, David Wenham, Iain Glen, John Goodman
Regie:  Sönke Wortmann
Dauer:  148 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.die-paepstin.de
 

Nach fast Jahrzehnte langem Produktionsprozess, der sowohl den ursprünglich vorgesehenen Regisseur Volker Schlöndorff als auch das schon entwickelte Drehbuch verschlissen hat, liegt nun also die nächste Verfilmung eines Historien-Bestsellers der Constantin-Film vor. Filme basierend auf Romanvorlagen wie „Der Name der Rose“, „Das Geisterhaus“ oder zuletzt „Das Parfum“ standen schließlich ihren niedergeschriebenen Ursprüngen in Sachen Erfolg in nichts nach.

Jetzt also Donna Woolfolk Cross‘ „Die Päpstin“, 1996 erschienen und seitdem über fünf Millionen Mal in Deutschland verkauft, das sich um den realen geschichtlichen Mythos eines tatsächlich inthronisierten weiblichen Papstes Mitte des neunten Jahrhunderts dreht. Von Historikern kaum fundiert zu widerlegen oder bekräftigen, bietet dieser Umstand gewiss genügend Brisanz für die Entwicklung eines packenden Romans, dessen Verfilmung sich letztendlich Sönke Wortmann („Deutschland. Ein Sommermärchen“, „Das Wunder von Bern“) angenommen hat.

Erzählt wird die Geschichte der Priesterstochter Johanna (Johanna Wokalek), die von ihrer Geburt im fränkischen Dörfchen Ingelheim an unter den Repressalien der patriarchalischen, mittelalterlichen Gesellschaft zu leiden hat. Trotz ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz, verwehrt ihr der fest im strengen Glauben an die angeblich gottgegebenen Geschlechterrollen verwurzelte Vater (Iain Glen) jeglichen Zugang zu Bildung, deren Weiterführung an der Klosterschule ja schließlich Jungen vorbehalten ist. Nur dem Einsatz der toleranten Mutter (Jördis Triebel) und ihres Bruders, die sie heimlich unterrichten, ist es zu verdanken, dass ihr wacher Verstand nicht verkümmert, sondern sie zu der aufgeklärten, selbstbestimmten Persönlichkeit heranwächst, die danach strebt, sich größtmögliches Wissen anzueignen.

Die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die ihr dabei in nahezu allen Lebenssituationen widerfährt, sorgt zwar immer wieder für Empörung, nutzt sich aber recht bald ab, was den eher schleppenden Handlungsverlauf doch ziemlich ermüdend macht. Und immer wieder Johannas leidendes Gesicht in Großaufnahme, da kann sich die gute Johanna Wokalek mühen, wie sie will und die unschuldige aber entschlossene Priesterstochter noch so überzeugend geben, irgendwann hat man sich daran einfach satt gesehen. Da lassen auch alle Unwägbarkeiten, teilweise überaus drastisch in Szene gesetzt – im Mittelalter ging es halt nicht immer zimperlich zu, die sie auf ihrem Weg zu einem würdigen Leben überwinden muss, nur kurzfristig aufhorchen im ansonsten allzu präsenten schmutzig-braunen mittelalterlichen Brei. So erlebt man recht teilnahmslos Johannas Metamorphose zu Johannes, als der sie um Aufnahme ins Fuldaer Kloster ersucht und dort die medizinischen Kenntnisse erwirbt, die ihr später im Papstpalast in Rom noch von großem Nutzen sein werden.

Unter dem Strich bleibt ein Geschichtsdrama, das es, manchmal depressiv manchmal monumental – bei den Rom-Szenen wurde geklotzt und nicht gekleckert, nicht schafft, einen mitzunehmen und gerne eine halbe Stunde kürzer hätte ausfallen können und das Interesse an einem Mythos, der bis heute nicht eindeutig geklärt ist.

Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)