PALERMO SHOOTING
Darsteller:  Campino, Giovanna Mezzogiorno, Dennis Hopper
Regie:  Wim Wenders
Dauer:  108 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.palermoshooting.senator.de
 

Ist das das Leben, wie er es sich immer gewünscht hat? Soll das schon alles sein, was es bis zum Tod zu bieten hat? Diese ganz gewöhnlichen Fragen stellen sich Finn (Campino) so direkt zum ersten Mal. Jetzt wo er da am Straßenrand steht in seinem schicken Cabrio, gerade um Haaresbreite dem Frontalzusammenstoß entgangen. Nur will er sie selbst noch nicht so richtig verstehen, so sehr hat ihn der Alltag im Griff, immer auf dem Sprung von einem Termin zum nächsten mit dem MP3-Player als einziger Ablenkung.

Als gefragter Fotograf und Dozent an der Kunstakademie hat er das Leben, von dem viele träumen: Von der Kunstszene akzeptiert, von Promis hofiert – ein Fotoshooting mit Milla Jovovich charakterisiert seinen Status ganz gut – und über das Geld braucht er sich keine Gedanken zu machen. Aber er kommt einfach nicht zur Ruhe, in seiner raren Freizeit lässt er es auf Partys so richtig krachen und nachts wandert er in seinem Designerappartment rastlos hin und her. Und diese latente Unzufriedenheit fängt Wim Wenders, der Meister der Bilder, wieder wahrlich meisterhaft ein. Irgendwie will sich das Unbehagen nicht legen, ist es förmlich greifbar bei all den Betongebäuden und kalten Blau- und Grautönen, in denen die ersten Einstellungen gehalten sind, da kann das erfüllte Luxusleben noch so traumhaft sein.

Das ändert sich erst, als Finn durch sein traumatisches Erlebnis auf der Autobahnausfahrt zum Nachdenken gezwungen wird. Spontan verbringt er die Nacht auf einem Baum inmitten des satten Grüns der Rheinwiesen, und seine morgendliche Unterhaltung mit einem etwas eigentümlichen Banker, der dort zur Entspannung Schafe hütet, scheint ihm die Augen zu öffnen. Durch das gerade vorbeifahrende Schiff „Palermo“ inspiriert, verlegt er das nächste Fotoshooting kurzerhand in die sizilianische Stadt. Da gewinnt er zwar mit der örtlichen Distanz zu seinem Wohnort und der Zeit, die er sich für den Altstadtbummel mit Kamera nimmt, etwas Abstand zu seinem stressigen Alltag, hat aber immer wieder merkwürdige Erscheinungen. Ein unheimlicher Bogenschütze scheint ihn zu verfolgen, und erst die Bekanntschaft mit der schönen Restauratorin Flavia (Giovanna Mezzogiorno) bringt ihn dem mysteriösen Verfolger auf die Spur.

Wie in jedem Wim Wenders-Film werden auch hier wieder wunderbar Stimmungen transportiert, wird weniger ausgesprochen als gefühlt und der individuellen Interpretation genügend Raum gegeben. Dabei weiß Tote-Hosen-Frontmann Campino mit seiner Verköperung des rastlosen, vielschichtigen Finn durchaus zu überzeugen. Noch dazu kann man sich an so manch einer Einstellung der Altstadtgassen Palermos gar nicht satt sehen, und die Kombination mit der Neugier weckenden paranormalen Ebene ist eine reizvolle Verbindung. Aber leider wirkt die Auflösung aller spirituellen Verwicklungen anhand der zuvor mühsam aufgebauten Spannung geradezu lächerlich.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)