PARIS, PARIS - MONSIEUR PIGOIL AUF DEM WEG ZUM GLÜCK
Darsteller:  Gérard Jugnot, Clovis Cornillac, Nora Arnezeder, Kad Merad
Regie:  Christophe Barratier
Dauer:  120 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Weblink:  www.paris.film.de
 

Paris, 1936. Das neue Jahr hat kaum angefangen, da bricht für Pigoil (Gérard Jugnot), Bühnenarbeiter und guter Geist des Musiktheaters „Chansonia“, eine Welt zusammen. Erst muss er hinter der Bühne erfahren, dass ihn seine Frau schon seit längerem betrügt und jetzt verlässt, und dann erschießt sich auch noch der Theaterdirektor, weil er dem Druck des Kredithais Galapiat (Bernard-Pierre Donnadieu) nicht mehr standhält.

So beginnt die Geschichte von Pigoil, der von einem Moment auf den anderen vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht. Erzählt wird sie uns vom gleichen Team, das uns vor vier Jahren mit dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ schon so viel Freude bereitet hat. Und auch jetzt versteht es Regisseur Christophe Barratier wieder hervorragend, Stimmungen einzufangen. Uns mitzunehmen auf die Straßen des Pariser Vorstadtviertels in den wirren Vorkriegsjahren oder ins stickige Theater, wo man überall die Atmosphäre der damaligen Zeit förmlich einatmet. Aber all die Stimmungen wären nur halb soviel wert ohne die Geschichten der Menschen, die einen nicht unberührt lassen, die so einfühlsam erzählt werden, dass man schon nach kurzer Zeit komplett eintaucht in den Film. Denn verknüpft mit dem Schicksal des „Chansonia“ sind die seiner Betreiber. Allen voran das von Pigoil, der sich nach der Silvesternacht arbeitslos und verlassen antriebslos seinem Kummer ergibt. Das einzige, das ihn überhaupt noch über Wasser hält, ist sein kleiner Sohn Jojo (Maxence Perrin, der Schüler Pépinot aus „Die Kinder des Monsieur Mathieu“) und das Geld, das der sich heimlich beim Akkordeonspielen erbettelt. Als Jojo aber eines Tages von der Polizei erwischt und zu seiner Mutter in die Provinz gebracht wird, wo ihn Pigoil noch nicht einmal besuchen darf, führt für den der Weg zum Sorgerecht für seinen geliebten Sohn nur über die Wiedereröffnung des Theaters.

Die streben inzwischen nämlich einige seiner früheren Mitstreiter an, um sich mit einer neuen Revue wieder eine Existenz aufzubauen. Gedulded werden sie dabei vom neuen Inhaber und skrupellosen Paten des ganzen Viertels Galapiat, der seine politischen Ambitionen durch eine Intervention gefährdet sieht. Und so laufen alle Handlungsstränge wieder am zentralen Ort, dem Musiktheater, zusammen, hat man einen Film, der nicht nur von Niedertracht und Existenzangst erzählt sondern vor allem von Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht.

Und das mit so wunderbaren Schauspielern, von denen man eigentlich gar keinen herausheben möchte, so sehr lassen einen alle teilhaben am Schicksal ihrer Figuren. Aber wie die junge Nora Arnezeder bei ihrem Kinodebüt in der Rolle der unschuldigen Sängerin Douce nicht nur Galapiat und dem rebellischen Beleuchter Milou (Clovis Cornillac) den Kopf verdreht, sondern mit dem Charme und der ergreifenden Schönheit ihrer Chansons auch das Herz des Zuschauers erobert, ist schon bemerkenswert. Überhaupt ist hier wieder großes Gefühlskino gelungen, das einige Momente der Ergriffenheit bereit hält und einen auch Dank der wundervollen Musik mit einer nachhaltigen Portion Herzenswärme wieder entlässt.

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Mick)