Pokémon - Der Film

Zeichentrick, R: Kunihiko Yuyama, 93 Min.

Wenn ich jetzt mit "Also in meiner Jugend" beginne, klinge ich noch wie meine Mutter, aber die Gefahr gehe ich ein. Womit sind wir damals aufgewachsen? Serien wie "Luzie, Schrecken der Straße", "Timm Thaler" oder "Pan Tau" begeisterten uns, und in puncto Zeichentrick gab es "Captain Future", "Der rosarote Panther" oder "Tom & Jerry". Heute ist das irgendwie anders. Die Kids begeistern sich für Teletubbies, etwas später dann Tamagotchis und jede Menge Müll auf der Mattscheibe, wozu es dann die passenden Games für die Konsole und Figuren für Zuhause gibt. Was ist überhaupt ein Pokémon??? 1996 erschuf man bei Nintendo für den Game Boy ein Spiel dieses Namens, das schnell zum Kult wurde und auch eine eigene TV-Serie nach sich zog. Als Spieler ist man Trainer von einer permanent steigenden Anzahl an Pokémons (komischer Viecher), die man weiterentwickelt, trainiert und in Teams zusammenfasst, um Wettbewerbe mit anderen Trainern auszutragen. Ziel ist es, der größte Pokémon-Meister der Welt zu werden. Na dann...
Der Film beginnt mit einem 20-minütigen Vorfilm namens "Pikachu's Vacation". Pikachu ist das beliebteste aller Pokémons und gehört dem Trainer Ash Ketchum. Tja, Kinder mag das, was man sieht, ja irgendwie erfreuen, für Nichteingeweihte und alle, die nicht mehr Kind sind, ist es aber eher eine Tortur. Von schon fast psychedelischen Bilderreigen immer wieder mal für einige Sekunden unterbrochen sieht man Pikachu auf Reisen, wobei die Pokémons Snubbull und Marill vorgestellt werden. Gesprochen wird nicht, man wird nur mit Fieps-, Grunz- und sonstigen Unlauten traktiert. Die Handlung ist kaum erkennbar und gibt einem den Rest, so dass man sich nur sehnlichst wünscht, der "Hauptfilm" möge anders sein.
Jubel, er ist es - nun aber mal nicht denken, dass er deswegen zu überzeugen weiß. Immerhin aber wird gesprochen, es gibt eine Handlung und die fragwürdigen Zwischensequenzen bleiben aus. Worum es geht? In einem Labor arbeiten Wissenschaftler daran, das mächtigste Pokémon überhaupt zu erschaffen, Mewtu genannt, nachdem sie in Amazonien ein Haar des geheimnosvollen Mew gefunden haben, was ihnen als genetische Grundlage diente. Leider haben sie etwas zu viel Erfolg, Mewtu macht sich komplett selbstständig und jagt das Labor in die Luft, wie gemein. Da ist er nun, mächtig wie Bolle und weiß nichts damit anzufangen. Wie es der Zufall will trifft Mewtu einen Mann, der ihm verspricht, ihn als Partner zu betrachten und zusammen bald alle anderen Pokémons zu beherrschen, das klingt doch prima. Leider hat auch er gelogen und will Mewtu als Meister steuern. Pech für ihn, denn auch hier macht der (oder das, hmm???) Über-Pokémon kurzen Prozess, um sich danach zu fragen: "Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe auf dieser Welt?". Mewtu in der Midlife-Crisis??? Nicht doch! Als Ziel setzt er sich, die Menschen und Pokémons gleichermaßen zu beherrschen, und so fordert er, wobei er sich als geheimnissvollen Meister darstellt, per holographischer Einladung alle Pokémon-Trainer zum Wettkampf heraus. Diese machen sich auf zur Insel, auf der es zur Sache gehen soll. Ein Sturm verhindert jedoch die Überfahrt per Fähre. So gelangen nur die mutigsten Trainer auf das Eiland, wo es zur Konfrontation mit Mewtu kommt.
Na ja, ich weiß ja nicht, was Eltern, große Geschwister oder sonstige dem Kindesalter entwachsene Zuschauer sich unter einem guten Zeichentrickfilm vorstellen, dieser Pokémon-Kram ist aber alles andere als unterhaltsam. Die Disney-Filme oder Streifen wie "Der Gigant aus dem All" und "Toy Story 2" sind wahre Familienfilme, die Jung und Alt begeistern, hier aber ist die Zielgruppe klar auf diejenigen begrenzt, die mit Pokémons schon vorher zu tun hatten. Allen anderen kann man nur wünschen, kein kleines Wesen zu kennen, das mit Knopfaugen sagt: "Bitte lass uns den Pokémon-Film anschauen, bitte lass uns...".

Wertung: 1 von 10 Punkten

(Tobi)