Harry Potter und der Gefangene von Askaban



D: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, R: Alfonso Cuarón, 135 Min.

Die Sommerferien sind fast vorbei und der inzwischen 13-jährige Harry Potter (Daniel Radcliffe) hat es beinahe geschafft, trotz des täglichen Frusts bei den Dursleys keine Zaubertricks anzuwenden. Als allerdings Onkel Vernons tyrannische Schwester, Tante Magda (Pam Ferris), zu Besuch kommt, macht sie ihn mit Sprüchen über seine Eltern so wütend, dass er sie in einen riesigen Ballon verwandelt und hinfortschweben lässt. Erschreckt über seine eigene Unbeherrschtheit rennt Harry davon und wird vom "Fahrenden Ritter" aufgenommen, einem Geisterbus, der ihn am Gasthaus "Zum tropfenden Kessel" absetzt. Dort bestraft ihn Cornelius Fudge (Robert Hardy), Minister für Zauberei, erstaunlicherweise nicht, sondern ist froh, Harry gut behütet zu wissen, bis am nächsten Tag dann in Hogwarts sein drittes Ausbildungsjahr beginnt. Der grund ist bald schon klar: Der gefährliche Zauberer Sirius Black (Gary Oldman) ist aus dem Gefängnis von Askaban entflohen, was niemand für möglich gehalten hätte. Da Black als Gehilfe von Lord Voldemort beim Mord an Harrys Eltern gilt, vermutet man, dass er jetzt auch Harry töten will. Schon auf der Zugfahrt nach Hogwarts lernt Harry nicht nur den neuen Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste kennen, Lupin (David Thewlis), sondern auch die grausamen Gefängniswärter von Askaban, die nun überall nach Black suchen. Diese sogenannten Dementoren saugen ihren Opfern die Seelen aus, und ihr Anblick lässt Harry in einen unbekannten Zustand zwischen Panik und Erstarrung verfallen. Im Schloss von Hogwarts gibt es natürlich auch Neues. Der beliebte Hagrid (Robbie Coltrane) ist zum Lehrer für die Pflege magischer Geschöpfe befördert worden und stellt den Kindern ein magisches Tier der Gattung Hippogreif vor – halb Pferd, halb Adler. Als das von Hagrid "Seidenschnabel" benannte, stolze Tier den wie gewohnt hinterhältigen Draco Malfoy (Tom Felton) verletzt, nachdem dieser es provoziert hatte, ist der erste Ärger vorprogrammiert - "Seidenschnabel" wird als gefährlich eingestuft und soll hingerichtet werden. Bei der kauzigen, neuen Professorin für Wahrsagekunst, Sibyll Trelawney (Emma Thompson) lernen die Kinder neben einigen zweifelhaften Techniken auch einen schwarzen Hund als Todesomen "Grimm" kennen - natürlich taucht er im Zusammenhang mit Harry auf. Bei Professor Lupin lernen die Kinder, ihre Ängste zu bewältigen, was sie anhand von Irrwichten üben können, die generell immer die Gestalt dessen annehmen, wovor man sich gerade fürchtet, bis man sie mittels eines Zauberspruchs auf witzige Weise entkräftet. So erlebt Harry an der Seite seiner besten Freunde Ron (Rupert Grint) und der sich etwas merkwürdig benehmenden Hermine (Emma Watson) natürlich wieder einiges. Plötzlich taucht dann auch noch Sirius Black auf und Harry erfährt wieder einiges mehr über den Tod seiner Eltern...

Der dritte Teil der Harry Potter Verfilmungen ist nach dem Regisseur-Wechsel von Chris Columbus zum Mexikaner Alfonso Cuarón wieder etwas bodenständiger geworden. Columbus hatte im zweiten Teil an Special Effects und Action wohl eine Schippe zuviel drauf gelegt, nun konzentriert man sich wieder mehr auf das Wesentliche. Auch wenn es mehr um die Urängste im menschen geht, ist der Film nicht gruseliger oder grausamer geworden als der zweite Teil, im Gegenteil, durch die Konzentration auf den Buch-Stoff ist der dritte Teil wieder mehr Kinderfilm. Leider bleibt vieles aus dem Buch unbehandelt - klar, selbst in zweieinhalb Stunden kann man nicht alles verarbeiten, aber zumindest den endlich erreichten Quidditch-Erfolg hätte man schon gerne gesehen. Der Hippogreif ist gut gelungen, das Wesen sieht zeuberhaft aus, lieb und angsteinflößend zugleich. Die Dementoren hätte man sich vielleicht noch erschreckender vorgestellt, aber für Kinder mögen sie gruselig genug sein. Insgesamt eine Mischung aus gelungener Rückkehr zum Wesentlichen und dem gefühl, dass einen der Film trotzdem nicht so gepackt hat wie die ersten beiden.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)