RADIO ROCK REVOLUTION
Darsteller:  Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Rhys Ifans, Nick Frost
Regie:  Richard Curtis
Dauer:  135 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.radiorockrevolution.de
 

Wir schreiben das Jahr 1966. In Englands Gesellschaft wird noch ein wenig mehr als andernorts immer noch sehr viel Wert auf Tradition und Benehmen gelegt, während die Jugend so langsam gegen das alte Establishment aufbegehrt und den eigenen Bedürfnissen freien Lauf lassen will. Und inmitten dieser Bewegung steht als elementarer Bestandteil und Sprachrohr der Jugendlichen die Pop- und Rockmusik, die zwar deren Gefühlswelt prima widerspiegelt, dafür aber in weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung stößt. Dementsprechend kommt sie auch im konservativ geprägten öffentlich-rechtlichen Radioprogramm der BBC so gut wie gar nicht vor.

Doch dieser Unterdrückung einer befreienden Popkultur stellen sich ein paar passionierte Radio-DJs entgegen und senden von einem alten Frachter in der Nordsee aus, fernab des Einflussbereichs der britischen Regierung, rund um die Uhr ihr Programm „Radio Rock“. Das trifft nicht nur durch die Musikauswahl sondern auch durch die freche und tabulose Moderation genau den Nerv der Kids und verschafft sich so in kurzer Zeit einen beachtlichen Marktanteil, was unsere Helden zu heiß verehrten Stars macht.

Die Geschichte dieses sympathischen, kleinen Haufens idealistischer Musikliebhaber erzählt uns Richard Curtis, nach „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Tatsächlich Liebe“ eher als Vertreter der romantischen Liebeskomödie in Erinnerung, hier Gott sei Dank doch ein wenig handfester. Dass das aber kein bisschen weniger herzerwärmend ausfallen muss, ist schon ein Qualitätsmerkmal und vor allem dem großartigen Darstellerensemble geschuldet, das uns das Zusammenleben der liebenswürdigen, etwas durchgeknallten Charaktere auf der „Radio Rock Revolution“ hautnah miterleben lässt. Das damalige Motto „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ wird dabei an Bord zwar groß geschrieben, tritt aber gegenüber so großer Themen wie erster Liebe, enttäuschter Freundschaft oder endlich entdeckter Vaterschaft zeitweilig gerne mal in den Hintergrund. Und erst als das ganze Projekt, das Symbol für die Aufbruchstimmung im Lande, durch geschickte Winkelzüge der Regierung bedroht ist, werden die Einzelschicksale wieder zu Teilen der großen gemeinsamen Sache.

Unterstützt durch einen grandiosen Soundtrack bekommt man so eine Idee vom musikgetriebenen Umbruch dieser Zeit und seiner Problematik, die aber wegen der besonderen Lebensumstände an Bord in Kombination mit witzigen Dialogen nicht allzu ernst genommen wird. Das ist kurzweilig, überaus unterhaltsam und auch immer wieder für den einen oder anderen herzlichen Lacher gut, kurz: Wohlfühlkino zum Mitwippen.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)