RAUM
Darsteller:  Brie Larson, Jacob Tremblay, Sean Bridgers
Regie:  Lenny Abrahamson
Dauer:  118 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.raum-derfilm.de
 

Es sind die kleinen Dinge, die einem komisch vorkommen beim Zusammensein von Mutter und Sohn in der scheinbaren Idylle des heimeligen Wohnzimmers. Die einem von Anfang an das Gefühl geben, dass da irgendwas nicht stimmt trotz des liebevollen Umgangs miteinander. Ist es die räumliche Enge oder das spärliche Licht, das nur durch das kleine Oberlicht in den sonst fensterlosen Raum dringt? Und warum spricht der 5-jährige Jack (Jacob Tremblay) von Gegenständen ohne bestimmte Artikel, als wären es seine Spielkameraden?

Die Erklärung soll nicht lange auf sich warten lassen, denn schon bald kommt Old Nick (Sean Bridgers) nach Hause und betritt zum seltenen, nur der Versorgung und dem Missbrauch dienenden Besuch den kleinen Raum erst nach Entriegelung durch die massive Stahltür. Er hält sie dort gefangen, und nur nach und nach lässt Regisseur Lenny Abrahamson („Frank“) dann die genaueren Umstände durchsickern, während er einen detailverliebt den Tagesablauf der beiden miterleben lässt. Und wie er das macht! Die klaustrophobische Enge ist geradezu mit den Händen zu greifen, wenn sie wie selbstverständlich ihren täglichen Aufgaben nachgehen, und Ma (Brie Larson) bemüht ist, nicht nur einen Rest Würde zu bewahren sondern vor allem ihrem Sohn größten Schutz durch Suggestion von Normalität einer unglaublich grausamen Extremsituation zu gewähren.

Jack ist also erst in Gefangenschaft geboren, so erklärt sich sein Verhalten im Nachhinein recht plausibel, und lässt uns, die wir ja nach der Berichterstattung im ähnlich gelagerten Fall der Österreicherin Natascha Kampusch sensibilisiert sind, die Psychologie der Verhaltensmuster durchdeklinieren, ist der gesamte Umfang des Verbrechens erstmal überschaubar und das Kopfkino angeschmissen. Dabei nehmen uns die beiden Hauptdarsteller unterstützt von der durch Abrahamson einfühlsam geschaffenen, beklemmenden Atmosphäre der ständigen Bedrohung von der ersten Minute an mit. Die frisch oscarpremierte Brie Larson verkörpert die treusorgende Mutter, deren einzigen Lebensinhalt das Aufziehen ihres Sohns darstellt, zu einhundert Prozent, aber die eigentliche Sensation ist die Leistung des kleinen Jacob Tremblay.

Denn mit der Situation der Gefangenschaft ist maximal die Hälfte der Geschichte erzählt. Richtig Fahrt nimmt die Handlung, ohne zu viel verraten zu wollen, erst nach geglückter Befreiung auf. Wie gerade Tremblay – und das in seinem Alter! – die auf den Jungen in Freiheit einprasselnden Eindrücke transportiert, ist schon großartig. Damit hat diese Mischung aus Thriller, Krimi und Psycho-Drama alles, was man sich von einem Film wünschen kann, lässt einen keine Sekunde lang los und regt obendrein mit seiner unglaublichen Tiefe auch noch lange Zeit später zum Nachdenken an. Es ist einfach ein Geschenk, ihn gesehen haben zu dürfen.



Wertung: 10 von 10 Punkten

(Mick)