RITTER ROST 2 - DAS SCHROTTKOMPLOTT
Animation
Regie:  Thomas Bodenstein, Marcus Hamann
Dauer:  87 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.ritterrost-welt.de
 

Die Lage ist fast aussichtslos, über Schrottland kreisen die Pleitegeier. Aber der Finanzminister wäre nicht der Finanzminister, hätte er nach einem Kassensturz nicht einen Plan B in der Tasche: Einsparmaßnahmen müssen her, und denen sollen als allererstes ausgerechnet die angeblich nicht mehr benötigten Ritter des Königs zum Opfer fallen. Doch die sind ganz und gar nicht gewillt, sich einfach aufs Altenteil abschieben zu lassen, und inszenieren kurzerhand den Verteidigungsfall.

Das Ausgangssetting hätte tatsächlich einfallsloser ausfallen können und die 3D-Animation ist wirklich charmant, setzt wieder gezielt auf Ecken und Kanten der Figuren statt auf hochglanzpolierte Perfektion. Das zeigt dann auch schnell Wirkung, denn man schließt die kauzigen Ritter, allen voran natürlich Titelheld "Rösti" (gesprochen von Christoph Maria Herbst), sofort ins Herz. Dabei hat die Handlung im Folgenden noch weitaus mehr zu bieten, ist wirklich kreativ erdacht und hält selbst für die Kleinsten einige Lehren bereit.

Der alternde König wird nämlich bald durch seine verwöhnte Tochter und Kronprinzessin Magnesia ersetzt, die vom Sparkurs eher wenig hält und unter dem Vorwand außer Kontrolle geratener Ritter - die sich tatsächlich mangels Beschäftigung in Pöbeleien flüchten - lieber in die ihr treu ergebene Polizei investiert. Nanu, erkennt man da etwa Parallelen zum aktuellen Tagesgeschehen und sogar Kritik am Polizeistaat? Definitiv, und das macht den Film auch für Erwachsene äußerst interessant ohne dabei das jüngere Publikum mit allzu hoch erhobenem Zeigefinger zu verschrecken. Was sich da an intelligenter Handlung entwickelt, ist klar strukturiert, Gut (Ritter) und Böse (Polizei) schnell erkennbar und somit für Kinder leicht verständlich. Trotzdem ist das Ganze überaus unterhaltsam, erwarten einen doch immer wieder witzige, einfallsreiche Momente.

Während sich die anderen Ritter eher langweilen, widmet sich aber Rost inspiriert dem Erbe seines Vaters, dem Erfinder. Leider sind die ersten Ergebnisse eher kontraproduktiv, spülen sie zwar ordentlich Geld in die Kasse, dienen allerdings dem inzwischen inflationär aufgeblasenen Polizeiapparat zur Drangsalierung der Bevölkerung allgemein - und der Ritter im Speziellen. Das stürzt Rost in einen Gewissenskonflikt und gibt kurzweilig inszeniert ganz nebenbei hervorragenden Unterricht in Sachen Solidarität und Freundschaft. Dass auch Gesellschaftskunde nicht zu kurz kommt, dafür sorgen schon allein die garstigen, hochaufgerüsteten Polizisten, deren Handeln keinesfalls als richtig empfunden werden kann. Also los, Ritter, verteidigt die Freiheit!



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)