ROCKNROLLA
Darsteller:  Gerard Butler, Tom Wilkinson, Mark Strong, Thandie Newton
Regie:  Guy Ritchie
Dauer:  114 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Weblink:  www.rocknrolla-derfilm.de
 

Man könnte denken, man mache irgendwas verkehrt, so selbstverständlich sind die krummen Touren, mit denen sich wirklich alle Beteiligten zu bereichern versuchen. Und London ist dann ja wohl der größte Sündenpfuhl der westlichen Hemisphäre – das hat man so auch noch nicht betrachtet. Dabei bekommt man hier einfach nur einen kleinen, zusätzlich auch noch fiktiven, Ausschnitt aus der Gesellschaft präsentiert. Aber an Realismus mangelt es sicher nicht, wenn uns Guy Ritchie nach „Bube, Dame, König, grAs“ und „Snatch – Schweine und Diamanten“ mal wieder mitnimmt in die Welt der britischen Gangster und Kleinkriminellen. Da wird schon anfangs bestochen und abgezockt, dass es eine wahre Freude ist.

Die neue Geldmaschine Nummer eins sind dabei Immobilienspekulationen, in die unser sympathischer Ganove One Two (Gerard Butler) mit seinen Kumpels Mumbles (Idris Elba) und Handsome Bob (Tom Hardy) auch im großen Stil einsteigen will. Blöd nur, dass sie sich ihr Grundkapital dafür vom durchtriebenen Gangsterboss Lenny (Tom Wilkinson) geliehen haben, der ihren Deal höchstselbst bei der zuständigen Behörde verhindert. Somit stehen sie bei ihm mächtig in der Kreide, und wir befinden uns mittendrin im Ritchieschen Handlungsgeflecht, das so ein bisschen an den „Pulp Fiction“-Stil erinnert, und für das er wieder durch das auch von ihm erdachte Drehbuch allein verantwortlich zeichnet.

Also ab ins Karussell der gegenseitigen Abhängigkeiten, die wieder einen irrsinnigen Spaß bereiten: Lenny nämlich bereitet gerade ein lukratives Immobiliengeschäft mit dem zwielichtigen russischen Milliardär Obomavich (Karel Roden) vor, der übrigens sein exklusives Büro im neuen Wembley-Stadion mit Blick aufs Spielfeld unterhält – soviel Seitenhieb zum aktuellen englischen Fußballgeschehen sei einfach mal erlaubt. Die Schmiergeldtransporte zwischen ihnen scheitern allerdings wiederholt ungeahnt an der attraktiven Buchhalterin Stella (Thandie Newton), die hier leichte Beute wittert. Auf Empfehlung angeheuertes ausführendes Personal: One Two und seine Jungs, wie sollte es auch anders sein.

Das amüsante Chaos aber bricht erst aus, als Obomavichs als Vertrauensbeweis bis zum Abschluss des Deals überlassenes Glücksgemälde in die Hände von Lennys totgesagtem, verschollenen Junkie-Stiefsohn und Rockstar Johnny Quid (Toby Kebbell) gerät. Dem fehlt es natürlich gewaltig an Sorgfalt, und so landet das gute Stück, das jetzt sowas wie Lennys Existenzberechtigung darstellt, über Johnnys Junkie-Freunde bei One Two und Konsorten.

Und das ist nur ein Vorgeschmack der Verwicklungen, die noch auf einen warten. Das intelligente, geschickt verschachtelte Drehbuch macht einem mit seiner durch rasante Schnitte aufgepeppten Umsetzung bis zum Schluss Freude, und dabei sind die sauber herausgearbeiteten Figuren in Kombination mit den unterhaltsamen Dialogen auch immer für herrliche Situationskomik gut. Gut nur, dass die knallharte Brutalität dieser Parallelgesellschaft stets mit einem ironischen Augenzwinkern betrachtet wird. Dadurch nimmt sich der Film selbst nicht allzu ernst.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)