Roter Drache



D: Anthony Hopkins, Ralph Fiennes, Edward Norton, R: Brett Ratner, 124 Min.

Da ist es nun also, das letzte Mosaiksteinchen, das zur Komplettierung der Hannibal Lecter-Trilogie noch fehlte, nachdem uns die Verfilmungen von Thomas Harris Bestsellern "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" schon die Nerven kitzelten. Doch Moment mal, eingefleischte Harris-Fans werden sich vielleicht an eine "Roter Drache"-Version aus dem Jahr 86 erinnern. Die allerdings konnte nicht mit Anthony Hopkins als Serienkiller Hannibal Lecter aufwarten und wenn es irgendwann die absolute Verbindung einer Romanfigur mit einem bestimmten Schauspieler gegeben haben sollte, dann ist es doch wohl diese. So nutzte das Produktionsteam um Dino DeLaurentiis die Neuauflage der Buchvorlage, die Thomas Harris inzwischen um einen völlig neuen Prolog erweitert hatte, zu dieser Neuverfilmung.

Und die kommt gleich zur Sache, denn sie gibt den Roman nahezu 1:1 wieder, was uns sofort in Lecters Haus entführt und uns so über seine Vorgeschichte aufklärt, kannten wir doch bisher nur den Häftling Hannibal Lecter in seinem Hochsicherheitstrakt. Auf Anthony Hopkins als Verkörperung des hochintelligenten Gentleman-Killers kann man sich auch jetzt wieder freuen, obwohl er diesmal nur eine Nebenrolle spielt. Er wird von FBI-Ermittler Will Graham (Edward Norton) konsultiert, als der im Fall eines Serienmörders, der scheinbar wahllos Familien niedermetzelt, nicht mehr weiter weiß. Als Fachkraft im sogenannten Profiling dem erstellen eines bestimmten Täterprofils bietet er sich da als Doktor der Psychologie und selbst notorischer Triebtäter ja geradezu an und kann so seine Spielchen mit Graham aufziehen.

Der Hauptkriegsschauplatz aber ist ein anderer, da wird man nämlich mitgenommen auf eine verrückte Reise des rasenden Blutrauschs in die angeknackste Psyche des Fotoentwicklers Francis Dolarhyde (Ralph Fiennes), die sich einem mehr und mehr erschließt je weiter die Ermittlungen des FBI fortschreiten. Und gerade das lässt einen ein ums andere Mal erschaudern, involviert zu sein in den Konflikt des Killers mit sich selbst, während sich vor Grahams Auge das Bild der grauenvollen Verbrechen Stück für Stück zusammen fügt. Als dann auch noch die blinde Reba (Emily Watson) in Dolarhydes Leben tritt und so nichtsahnend in den Mittelpunkt der Gefahr rückt, beginnt ein geradezu Nerven zerfetzender Wettlauf Grahams mit der Zeit bis zum nächsten Gewaltausbruch.

Selten ist es so gut gelungen ein Buch zu visualisieren wie in diesem Fall, wo man sich fast jede Szene bei der Romanlektüre genau so vorgestellt hat wie sie einem jetzt vorgeführt wird. Und weil schon das Buch einen dermaßen fesselnden Meilenstein im Genre Thriller darstellt, wird einem die Handlung hier noch dichter, weil auf Spielfilmlänge komprimiert präsentiert und hält einen von der ersten bis zur letzten Sekunde in ihrem Bann.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)