Schnee, der auf Zedern fällt

D: Ethan Hawke, Youki Kudoh, Rick Yune, Max von Sydow, James Cromwell - R: Scott Hicks - 113 Min.

Der Nebel legt sich zum Schneiden dick über die ruhige See an der Westküste Nordamerikas und taucht sie in eine friedliche Stille, wie es sonst nur Neuschnee auf den Straßen vermag. Doch der Frieden trügt, denn in dieser ruhigen Nacht stirbt ein junger Fischer und wird am nächsten Morgen im Netz seines Bootes gefunden. Da als Todesursache ein Schlag auf den Kopf mit einem stumpfen Gegenstand festgestellt wird, gerät der japanischstämmige Kabuo Miyamoto (Rick Yune) in Mordverdacht. Er war nämlich in dieser Nacht ebenfalls mit seinem Boot unterwegs und die Indizien sprechen alle gegen ihn, zumal er und das Opfer sich seit einem Grundstücksstreit ihrer Familien in erbitterter Feindschaft befanden. Also wird er wegen Mordes angeklagt, doch der Hintergrund dieses Prozesses in den 50er Jahren ist vielschichtiger als es zuerst erscheint, denn er fördert zu Tage, was in der Gesellschaft schon seit den Kriegszeiten schwelt. Seit dem Angriff japanischer Kampfflieger auf den Militärstützpunkt in Pearl Harbour ist das Verhältnis zwischen Amerikanern und japanischen Einwanderern nämlich mehr als gestört, und die Japaner müssen sich allerlei Anfeindungen und Repressionen erwehren. Das erzählt Regisseur Scott Hicks anhand der Geschichte von Ischmael Chambers (Ethan Hawke), der als Gerichtsreporter von dem Prozess berichten will und im Gerichtssaal, wie das Schicksal so spielt, seine Jugendliebe Hatsue (Youki Kudoh) wieder sieht, die in der Zwischenzeit die Frau des Angeklagten geworden ist. Aber das mit der Jugendliebe ist so eine Sache. Das Anliegen, die Diskriminierung der japanischstämmigen Bevölkerung durch die Beziehung zweier unbedarfter Teenager darzustellen, ist doch all zu vordergründig, zu sehr erkennt man die Liebesgeschichte als Transportmittel einer anderen Botschaft. Und, dass sie dabei nicht ins Kitschige abrutscht, ist allein Hicks einfühlsamer Erzählkunst zu verdanken, die einen dann doch am Schicksal der beiden Anteil nehmen lässt. Somit verfolgt man die beiden Handlungsstränge, die immer wieder durch geschickte Rückblenden miteinander verknüpft werden, gleichermaßen gespannt und interressiert (was den zweiten angeht) und erhält nebenbei in unterhaltsamer Weise sogar noch eine Geschichtsstunde, wenn man miterleben kann, wie Japaner in Lagern interniert werden, denn der historische Hintergrund des Streifens basiert ja auf realen Tatsachen. Am Ende bekommt man dann auch noch ein erstklassiges, packendes Kriminalstück geboten, als sich Ishmael, der von der ganzen Voreingenommenheit gegen Kabuo auf Grund seiner Vergangenheit verschont bleibt, an die Aufklärung des Todesfalls macht, auch um Unheil von Hatsue abzuwenden, für die er noch immer etwas empfindet. Außerdem verdient die Vorstellung des Max von Sydow als alternder doch erfahrener Verteidiger von Kabuo mit Sicherheit das Prädikat "Absolute Weltklasse" und ist allein schon das Eintrittsgeld wert.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)