Der Schneider von Panama

D: Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, R: John Boorman

In der TV-Serie "Remington Steele" war er smarter Privatdetektiv, dann wurde er James Bond - Pierce Brosnan. Seitdem scheint er die Rolle des Frauen reihenweise vernaschenden Agenten abonniert zu haben, denn auch in der John le Carre-Romanverfilmung "Der Schneider von Panama" spielt er eigentlich nichts anderes.

Wer nun denkt, die Rolle des Andy Osnard sei ein Abklatsch von Bond, der irrt sich gewaltig. Erfolge scheinen lange her, so dass Osnard zu seiner Unfreude nach Panama geschickt wird, um die dortigen Machenschaften nach der Übergabe des Kanals von den USA an Panama im Auge zu behalten. Ein Erfolg als Geheimagent würde ihn mal wieder etwas aufwerten, und so fällt er auch prompt auf die Lügen von Schneider Harry Pendel (Geoffrey Rush) herein, der sich in Geldnot befindet und merkt, dass er dem guten Andy für ersponnene Informationen locker die Banknoten aus der Tasche ziehen kann. Entgegen aller Realität berichtet er ihm von einer Untergrundgruppe namens "Stille Opposition", die den geplanten Verkauf des Kanals an China und Taiwan zusammen verhindern will und hierfür viel Geld benötigt. Die Regierungen der USA und Englands sind natürlich völlig überrascht, trotzdem aber bereit, die bisher nie in Erscheinung getretenen (eben stillen) Revoluzzer zu finanzieren.

Regisseur John Boorman, der mit Filmen wie "Hope And Glory" oder "Excalibur" vor längerem wirklich gute Filme gemacht hat, trifft hiermit nicht ins Schwarze. Trotz Starbesetzung (Jamie Lee Curtis als Pendels Frau ist auch noch dabei) krankt der Streifen an seiner Handlung. Die anfänglich witzig anzuschauende Ironie, mit der Pendel und Osnard ihre gegenseitigen Bedürfnisse stillen, verläuft sich in krampfhaft herbeigeschriebenen Szenen, die in einem Ende gipfeln, das nach Ablehnung einer ersten Version beim Testpublikum wild neukonstruiert wurde und schlicht mies ist. Unrealistisch und zunehmend chaotisch.

Wertung: 4 von 10 Punkten

(Tobi)