WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS
Darsteller:  Kad Merad, Dany Boon, Anne Marivin, Zoé Félix
Regie:  Dany Boon
Dauer:  106 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Weblink:  www.willkommen-bei-den-schtis.de
 

Es ist schon erstaunlich, dieser Film hat mit über 20 Millionen Besuchern in Frankreich tatsächlich James Camerons „Titanic“ als erfolgreichster aller Zeiten abgelöst. Und das ist eigentlich nur das logische Ende einer kontinuierlichen Entwicklung seines Schöpfers Dany Boon. Der setzt in seinen Comedy-Programmen schon seit Jahren auf die regionalen Unterschiede Frankreichs und ein Phänomen, das in Deutschland wohl am ehesten mit dem der Ostfriesen zu vergleichen ist. Selbst in der Region Nord-Pas-de-Calais am Ärmelkanal nahe der belgischen Grenze geboren und aufgewachsen, bedient er sich der Vorurteile Rest-Frankreichs und treibt diese mit einem Augenzwinkern auf die Spitze.

Genau das praktiziert er jetzt auch in seinem Film, in dem der Postbeamte Philippe (Kad Merad) von seiner ewig unzufriedenen Frau dazu gedrängt wird, sich von der Provence an die so schöne Riviera versetzen zu lassen. Da das aber nicht ganz so einfach ist, wird schnell mal eine Vorteile verschaffende Behinderung erfunden, was allerdings genauso schnell auffliegt. Die Folge ist eine Strafversetzung in die von allen gefürchtete Region Frankreichs: Nord-Pas-de-Calais. Deren Charakterisierung ist einfach: Jeden Tag Regen, das Thermometer zeigt kaum einmal zweistellige Plusgrade an, das Essen ist ungenießbar und deren Einwohner sind etwas minderbemittelte, depressive Alkoholiker. Noch dazu sprechen die einen kaum zu verstehenden Dialekt und werden deswegen landläufig nur „Ch’tis“ genannt.

Damit sind wir auch schon beim Hauptproblem des Streifens, der im Original natürlich großenteils vom Dialekt und dem damit verbundenen Witz lebt. Also hat man für die Synchronisation eigens eine künstliche „Sch’ti“-Sprache entwickelt, die mit dem Austausch von S- mit Sch-Lauten arbeitet und so dem „Ch’ti“ nachempfunden wurde. Und man soll es nicht für möglich halten, kommt man sich anfangs noch ein wenig bescheuert vor, gewöhnt man sich doch recht schnell daran und bekommt dann sogar eine Idee vom Witz des Originals. Daran hat Christoph Maria Herbst großen Anteil, der die Sch’ti-Hauptrolle mit großem Einfühlungsvermögen super interpretiert.

So kann der einheimische Postler Antoine (natürlich Dany Boon) mit seinen Kollegen schon bald Philippes Ressentiments auflösen, und Philippes Wochenenden bei seiner daheimgebliebenen Frau, die zunächst wie ein Erholungsurlaub mit Bad im Mitleid sind, werden immer mehr zur unangenehmen Pflicht, bei der er ein Lügengebilde aus seinen bestätigten Vorurteilen errichtet, nur um weiter von ihr bemitleidet zu werden. Nun ist der weitere Handlungsverlauf zwar recht absehbar, aber wie der Film mit scheinbar zementierten Meinungen umgeht und dabei die Herzlichkeit der Menschen herauskehrt, ist schon nett inszeniert. Und obwohl er ohne den Wortwitz des Originals auskommen muss, bereitet doch die eine oder andere Szene großes Vergnügen. Das alles sorgt dafür, dass man doch hin und wieder feuchte Augen bekommt und ein nachhaltiges wohliges Gefühl der Herzenswärme zurückbleibt.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)