SENNA
Dokumentation
Regie:  Asif Kapadia
Dauer:  104 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  movies.uip.de/senna
 

Er war mit Sicherheit einer der talentiertesten und größten seiner Zunft, hat extrem polarisiert und ist unter tragischen Umständen viel zu früh gestorben. Vielleicht gerade deshalb wird er in seinem Heimatland Brasilien nach wie vor wie ein Volksheld verehrt. Die Rede ist von Ayrton Senna, dem Rennfahrer und mehrmaligen Formel 1-Weltmeister. Das alles ist Grund genug für Asif Kapadia dessen kurzem Leben einen Dokumentarfilm zu widmen, der sein Schaffen auf und jenseits der Strecke näher beleuchtet.

Nahezu ausnahmslos chronologisch reiht er dazu, beginnend mit Sennas Formel 1-Einstieg im Jahr 1984, Originalaufnahmen aneinander und katapultiert einen damit in eine längst vergangene Ära der Rennsportgeschichte. Und doch hat man das Gefühl, als wäre das alles erst gestern passiert, so eine Nähe stellt er mit den Aufzeichnungen verschiedener Fernsehstationen her. So erlebt man noch einmal mit, wie dieser junge Bursche aus Brasilien den arrivierten Kollegen in einem technisch eigentlich deutlich unterlegenen Auto regelmäßig um die Ohren fährt, und dabei mit seiner draufgängerischen Fahrweise besonders in Regenrennen sein enormes Talent beweist. Der Aufstieg in finanziell besser ausgestattete Teams lässt danach nicht lange auf sich warten, aber Kapadia gelingt es hervorragend, auch die Kehrseite des Erfolges im Haifischbecken Rennzirkus zu zeigen.

Denn genauso wie er in Jubelarien des brasilianischen Fernsehens nach Sennas Siegen schwelgt, geht er auch auf die politischen Aspekte der Formel 1-Szene ein, die dem Vollblut-Rennfahrer stets zuwider waren. Dabei macht er die Auseinandersetzung der beiden Teamkollegen Ayrton Senna und Alain Prost, die in ihrem überlegenen McLaren beide mehrere Jahre um die Weltmeisterschaft kämpften und Senna zutiefst prägte, zu einem zentralen Thema seines Films. Diese gipfelte mehrmals in provozierten Unfällen, in deren Folge Senna durch den damaligen Verbandspräsidenten Balestre, der seinen Landsmann Prost doch eindeutig protegierte, übel mitgespielt wurde. So nähert er sich geschickt Sennas Charakter, dem man in gemeinsamen Interviewsequenzen mit Prost die Wandlung vom unbedarften Jungspund zum nachdenklichen, abgebrühten Rennfahrer deutlich anmerkt. Gleichzeitig stellt er heraus, wie sich das Verhältnis zu Prost von partnerschaftlich bis hin zu geradezu hasserfüllt wandelt, die eisige Kälte hinter der immer freundlich lächelnden Fassade der beiden kann man fast am eigenen Körper spüren. Obendrein bekommt man dazu bisher unveröffentlichtes Bildmaterial unter anderem aus Fahrermeetings zu Gesicht, das doch sehr aufschlussreich die Selbstherrlichkeit Balestres genauso wie die tiefe Enttäuschung und Hilflosigkeit Sennas gegenüber der Allmacht des Verbandes aufzeigt.

Erstaunlich ist, wie es Kapadia gelingt, nur durch geschickte Montage von Fernsehdokumenten ohne zusätzlichen Kommentar eine solche Dramaturgie zu entwickeln, die im tragischen Wochenende von Imola 1994 mit den tödlichen Unfällen der Rennfahrer Roland Ratzenberger und Ayrton Senna gipfelt. Und obwohl für eine Biografie Sennas Privatleben sicherlich auch wegen mangelnden Materials ein wenig zu kurz kommt, ist man aufgrund der unheimlichen Dichte der Bilder emotional voll dabei.

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Mick)