SPLIT
Darsteller:  James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Jessica Sula
Regie:  M. Night Shyamalan
Dauer:  117 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Website:  universalshowtimes.com/de/split
 

Beim Namen Shyamalan ("The Sixth Sense", "The Visit") ist man ja eigentlich schon vorgewarnt und irgendwie immer in Erwartung von etwas phänomenal Übersinnlichem, denn die Thematik zieht sich wirklich wie ein roter Faden durch sein gesamtes bisheriges Werk. Was wir aber in seinem neuen Film zu sehen bekommen, ist erstmal alles andere als das sondern grundsolides Thriller-Handwerk.

Drei eigentlich auf dem Rückweg von Claires (Haley Lu Richardson) Geburtstagsparty befindliche Mädchen werden noch auf dem Parkplatz von einem Unbekannten (James McAvoy) gekidnappt und finden sich kurze Zeit später in dessen häuslichem Gefängnis wieder. Von da an geht es für sie einzig um das nackte Überleben in der Gewalt dieses Straftäters, dessen gewaltige Psychosen darüber hinaus schon bald deutlich zu Tage treten. Das ist überaus packend inszeniert, entwickelt sich die Handlung doch hauptsächlich aus Sicht der unschuldigen Mädchen, von denen einem besonders die etwas geheimnisvolle Außenseiterin Casey (Anya Taylor-Joy) leid tut. Dabei gelingt es dem Regisseur wirklich hervorragend, einen in die psychologische Auseinandersetzung mit der Extremsituation einzubeziehen und zusammen mit den Mädels nach Lösungsansätzen zu suchen.

Dass sich die Persönlichkeit des Entführers im weiteren Verlauf als gespalten entpuppt, macht Anleihen vom grandiosen "Psycho" des Großmeisters Alfred Hitchcock unübersehbar und legt die Latte dadurch überaus hoch. Doch überraschenderweise erweist sich McAvoy als der Aufgabe durchaus gewachsen, verleiht seinen grundverschiedenen Charakteren, die ja immerhin Frauen und kleine Jungs umfassen, durch sein physisches Spiel eine natürliche Glaubwürdigkeit, ohne die das Projekt sofort zum Scheitern verdammt gewesen wäre. Dass er aber tatsächlich abwechselnd 23 unterschiedliche Persönlichkeiten verkörpern soll, überspannt den Bogen unnötigerweise gehörig und hinterlässt ein erstes kritisches Stirnrunzeln.

Bei dem soll es dann auch bei Weitem nicht bleiben, denn Shyamalan bleibt seiner eingangs erwähnten Linie mal wieder treu und verpasst seinem schizophrenen Protagonisten kurzerhand übermenschliche Fähigkeiten. So sehr er auch Wert auf einen solide errichteten Spannungsbogen gelegt hat, der dank des Zusammenspiels der drei Mädchen mit McAvoy auch bis zum Ende tragfähig bleibt, er selbst reißt ihn durch so manch überzogene Wendung schließlich ein. Das kann dann auch ein wie entfesselt aufspielender James McAvoy nicht verhindern.



Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)