THE PARTY
Darsteller:  Patricia Clarkson, Kristin Scott Thomas, Bruno Ganz, Timothy Spall
Regie:  Sally Potter
Dauer:  71 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.theparty-derfilm.de
Facebook:  www.facebook.com/The-Party.Der-Film
 

Während es - Kinderfilme mal ausgenommen - kaum noch Kinoproduktionen mit einer einst normalen Spielfilmlänge um die 90 Minuten gibt und man den heutigen Streifen viel zu oft attestieren muss, dass sie Längen haben und deutlich hätten gestrafft werden können, überrascht die britische Regisseurin Sally Potter ("In stürmischen Zeiten", "Rage") mit einem 71-minütigen Streifen. "The Party" lief bereits im Wettbewerb der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin, kommt nun in unsere Kinos.

Potters achter Kinofilm, für den sie auch das Drehbuch schrieb, kommt kunstvoll inszeniert in Schwarz-Weiß und mit viel Fokus auf den einzelnen Charakteren daher, in puncto Handlung wie auch in seinen Bildern. Vermutet man auf Grund der komplett in einer Wohnung und punktuell in deren kleinem Gärtchen angesiedelten Story sowie der Limitierung auf nur sieben Akteure eine Umsetzung eines Theaterstücks, so ist dem doch nicht so und Potter lässt vielmehr alle Türen für den umgekehrten Weg offen - "The Party" könnte bestens als Kammerspiel adaptiert werden.

Im Londoner Stadthaus von Janet (Kristin Scott Thomas) wird gefeiert. Anlass ist ihre ersehnte Ernennung der ambitionierten Politikerin zur Gesundheitsministerin, und so hat sie ihre engsten Freunde eingeladen. Während ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) eher apathisch im Wohnzimmer sitzt und statt seiner Gattin eine seiner alten, geliebten Vinyl-Scheiben nach der anderen zelebriert, trudeln die Gäste ein. Janets engste Freundin April (Patricia Clarkson) ist der personifizierte Zynismus und hat Freude daran, ihren liebevollen, mit esoterischen Weisheiten aufwartenden, deutschen Ehemann Gottfried (Bruno Ganz) vor allen anderen zu erniedrigen. Das lesbische Paar Martha (Cherry Jones) und Jinny (Emily Mortimer) nutzt die Gelegenheit, um zu verkünden, dass sie Drillinge erwarten. Der geschniegelte, attraktive Banker Tom (Cillian Murphy) hingegen scheint andere Ziele zu haben. Der Ehemann von Janets enger Mitarbeiterin Marianne, die sich verspätet, hat eine Pistole dabei und plant übernervös offenbar Böses. Die Situation schaukelt sich schon durch die verschiedenen Charaktere und deren inhomogenes Zusammenspiel hoch, eskaliert dann aber völlig, als Bill mit einem brisanten Geständnis überrascht.

Dass Feiern eskalieren können, wissen wir nicht erst seit Thomas Vinterbergs Meisterwerk "Das Fest", welches 1998 die Latte für Darstellungen solcher Momente noch einmal höher legte. "The Party" bietet durchaus interessante Charaktere und malt diese trotz dem Farbverzicht auch solide aus. Die Handlung kann zwar mit den Personen nicht ganz mithalten, bleibt aber interessant. Entlang einiger Wendungen und existierender wie auch neu entstehender Probleme in den Beziehungen und Freundschaften der Protagonisten entsteht immer mehr Chaos, und die Bosheiten werden immer deutlicher ausgearbeit, auch wenn Potter hier nicht immer in die mögliche Tiefe geht. Vielleicht hat sie auch etwas zu viele Thematiken bündeln wollen, wie Politik, Feminismus, Esoterik, Homosexualität, Eifersucht, Todkrankheit, Zynismus, Unsicherheit, Betrug, Rache, Angst, Überschätzung, Abwertung, Klassenunterschiede oder sogar Musikliebe. Der All-Star-Cast ist gut anzuschauen, allen voran Bruno Ganz und Timothy Spall, die am meisten überzeugen. Kein zweites "Das Fest", aber doch kurzweilige Unterhaltung, auch weil der Film nur 71 Minuten dauert, die er gut ausfüllt.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)