THE WITCH
Darsteller:  Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw
Regie:  Robert Eggers
Dauer:  95 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Website:  www.upig.de/micro/the-witch.com
 

Wir befinden uns in New England im Jahre 1630, das Leben der Menschen in der kargen Landschaft ist bestimmt vom strengen christlichen Glauben und vom täglichen Kampf die eigene Versorgung zu sichern. Dass sich das in der Gemeinschaft um einiges besser macht als auf sich allein gestellt, muss Farmer und Familienvater William (Ralph Ineson) schmerzhaft am eigenen Leib erfahren, als er sich, von der Dorfgesellschaft verstoßen, samt Frau Katherine (Kate Dickie) und fünf Kindern allein am Waldesrand niederlässt. Er hat schnell nicht nur mit seiner Missernte sondern vielmehr damit zu kämpfen, dass sein neugeborener Sohn in einem unachtsamen Moment in Obhut der ältesten Tochter Thomasin (eine echte Entdeckung: Anya Taylor-Joy) spurlos verschwindet.

Mit seinem auf dem Sundance-Festival gefeierten Regie-Erstling schlägt Szenen- und Kostümbildner Robert Eggers hier vertraute Exorzismus-Wege ein und spielt geschickt mit der Vermischung von realer Wahrnehmung und Spirtismus, denn mangels anderer Erklärungen wird für das mysteriöse Verschwinden schnell die im Wald beheimatete Hexe verantwortlich gemacht. Und genau da setzt dann auch das eigentliche Grauen ein: Beim finster inszenierten, sich täglich wiederholenden Wahnsinn im Tagesablauf, der geprägt ist von den Ritualen der Frömmigkeit, ja Gottunterwerfung. So ist auch das böseste Schicksal – wie hier das Verschwinden eines geliebten Kindes – allein dem Fehlverhalten des Betroffenen geschuldet, das die Geister des Teufels heraufbeschworen hat.

Ist man nicht von sich aus schon gläubig, was bei konstanter Indoktrination von Geburt an per se schon an ein Wunder grenzen würde, so wird man spätestens im Kindesalter durch das System von Strafe und Belohnung klar auf Linie gebracht. Es ist dann auch keine Überraschung, dass Thomasin selbst innerhalb der Familie in Hexereiverdacht gerät. Viel mehr verwundert es, dass sie sich den Vorwürfen nicht ergibt und sogar eine gewisse Form der Emanzipation entwickelt, die das erlernte Weltbild eigentlich gar nicht vorgesehen hat. Das ist von der jungen Anya Taylor-Joy wirklich beeindruckend gespielt, die ihre Figur zwischen Selbstzweifel und Widerstand hin- und herschwanken lässt und dabei das ganze Dilemma der damaligen Weltanschauung aufdeckt.

Eben das greift auch das auf Aufzeichnungen alter Hexenprozesse basierende Drehbuch auf und führt einen so in eine Grauzone der Wahrnehmung, in der Realität und Übersinnliches mehr und mehr verschwimmen. Das ist wunderbar düster inszeniert und gipfelt in einer Hommage an den „Exorzisten“, die einen das manchmal etwas übertriebene Hexerei-Brimborium fast vergessen lässt.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)