TINTENHERZ
Darsteller:  Brendan Fraser, Eliza Hope Bennett, Paul Bettany, Helen Mirren
Regie:  Iain Softley
Dauer:  106 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.tintenherz-derfilm.de
 

Lange haben wir darauf gewartet, und jetzt ist sie endlich da, die Verfilmung des ersten Buches von Cornelia Funkes so erfolgreicher „Tintenwelt“-Roman-Trilogie. Die Bücher führten lange Zeit die Bestsellerlisten an und „Tintenherz“ ist inzwischen in 37 Sprachen übersetzt worden, was allein wohl aussagekräftig genug ist, um die Qualität und Popularität der Romanvorlage einordnen zu können. Bei Cornelia Funke, die außer als Produzentin auch am Drehbuch federführend mitwirkte, hat man es zeifelsohne mit einem Superstar der modernen Fantasy-Literatur zu tun. Insofern verwundert es nicht, dass ihr Einfluss sogar bis zur Auswahl von Drehorten und Schauspielern reichte. Sie selbst erzählt immer wieder, beim Schreiben des Drehbuchs deutlich Brendan Fraser auch wegen seiner ausdrucksstarken Stimme in der Hauptrolle vor Augen gehabt zu haben, na wenn das keine genauen Vorstellungen von der Umsetzung des Romans sind.

Die Stimme spielt ja so eine entscheidende Rolle in dieser Geschichte, denn alles dreht sich um Mo Folchart (Brendan Fraser), dessen Leidenschaft nicht nur die Literatur ist, sondern der auch eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, die ihm den Spitznamen „Silberzunge“ einbringt. Liest er nämlich aus einem Buch vor, entsteigen dem bald die Figuren. Der Haken daran ist nicht nur, dass es sich dabei durchaus um problematische Charaktere handeln kann, sondern dass für jede herausgelesene Figur ein realer Mensch in dem Buch verschwindet. Diese Erfahrung musste er vor einigen Jahren machen, als er seiner kleinen Tochter Meggie (Eliza Hope Bennett) aus dem Roman „Tintenherz“ vorlas und dabei nicht nur den Feuerjongleur Staubfinger (Paul Bettany) und die durchtriebenen Schurken Capricorn (Andy Serkis) und Basta (Jamie Foreman) befreite, sondern seine geliebte Frau Resa (Sienna Guillory) gleichzeitig in den Seiten verschwand. Da die Bösewichte damals das Buch gleich stahlen, ist er seitdem auf der Suche nach einem Exemplar dieses seltenen Romans, um seine Frau wieder aus der Traumwelt zurückholen zu können. Die Suche ist jetzt endlich von Erfolg gekrönt, denn er entdeckt „Tintenherz“ in der kleinen Buchhandlung eines abgelegenen Bergdorfs.

Die Geschichte ist wirklich wunderschön, so voller Fantasie und Einfallsreichtum, dass es vielleicht ein bisschen zuviel ist, als der Film leisten kann. Denn trotz der wunderbaren schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller, vermisst man irgendwie die Tiefe, fehlt die Vielschichtigkeit auch der kleineren Charaktere. Und da auch Brendan Fraser seiner „Silberzunge“ nicht die nötige Lebendigkeit verleihen kann, bleibt man doch merkwürdig teilnahmslos. Aber die Kombination von realer und Scheinwelt und deren immer mehr zerfließende Grenzen – Capricorn ist es nämlich gelungen, eine weitere „Silberzunge“ aufzuspüren, die ihm nun auf Befehl alle möglichen Leute aus den Büchern herausliest. Nur sind die wegen eines Sprachfehlers des Vorlesers alle mit einigen Unregelmäßigkeiten versehen – ist so schön erdacht, dass das auf jeden Fall Vergnügen bereitet. So ist der Film trotz zeitweise vorherrschender Hollywood-Sterilität immer noch so voller schöner Ideen, dass man ihm gespannt folgt, auch wenn das vollständige Eintauchen in die Handlung diesmal ausbleibt.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)