Traffic - Macht des Kartells

D: Michael Douglas, Benicio Del Toro, Don Cheadle, R: Steven Soderbergh, 147 Min.

Bei der diesjährigen Oscarverleihung war "Traffic" einer der Abräumer und scheiterte mit Sicherheit nur an der Aufwendigkeit von "Gladiator", auch als bester Film ausgezeichnet zu werden. Statt dessen bekamen Steven Soderbergh für die Regie und Benicio Del Toro (worüber sich wohl jeder gefreut hat) für die beste Nebenrolle zwei der insgesamt vier begehrten Goldfiguren für "Traffic" ausgehändigt. Soderbergh liefert definitiv ein Meisterstück ab, und das nicht nur im Regissuerstuhl. Unter dem Pseudonym Peter Andrews (die Gewerkschaften gestatteten eine Nennung als Regisseur und Kameramann nicht, warum auch immer) nahm er auch noch die Kamera in die Hand, und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Traffic" ist fast komplett mit Handkamera gedreht, was dem Zuschauer ein noch intensiveres Gefühl von Nähe vermittelt, ohne dabei mit Ruckelbildern abstoßend zu nerven. Geniestreich zwei von Soderbergh ist die Farbgebung des Films. Drei verschiedene Handlungsebenen rund um das Thema Drogen (Konsum, Bekämpfung und Handel) an drei verschiedenen Orten werden in drei verschiedene Farben getaucht. Als Zuschauer weiß man so immer schon alleine optisch, in welcher Spur man gerade fährt - stark!

Benicio Del Toro spielt (und das wirklich oscarreif) den Drogenfahnder Javier Rodriguez Rodriguez, der im mexikanischen Tijuana an der Grenze zu den USA arbeitet, bis General Salazar (Tomas Milian) ihn für seine Truppe abwirbt. Nachdem einer der zwei großen Drogenringe, der des getöteten Madrigal, zerschlagen wurde, will der General nun auch das Kartell der Obergons vernichten, wobei er mit brutalsten Methoden zur Sache geht. Rodriguez denkt, dass er für eine gute Sache ins Feld zieht, und da die Bezahlung auch noch sehr viel besser ist - warum sollte er nicht für Salazar arbeiten?!? Dass selbiger andere Ziele verfolgt, kann unser Sympathieträger ja nicht ahnen.

Blaustichige Bilder führen uns nach Washington, wo Richter Wakefield (Michael Douglas) der Posten des obersten Drogenbekämpfers der Regierung angeboten wird, und da er karrieregeil ist, nimmt er natürlich an. Eines seiner Ziele ist die Zerschlagung der Drogeneinfuhr aus Mexiko. Dumm, dass Wakefields Tochter Caroline (Erika Christensen) ohne Wissen des Vaters eine Drogenparty nach der anderen mit ihren Freunden feiert und längst abhängig ist. Ihre Mutter (Amy Irving) ahnt zwar etwas vom Unheil, als die Sache allerdings aus der Bahn gerät und Caroline von Zuhause abhaut, ist sie genauso machtlos und verzweifelt wie ihr Mann, der sich auf die Suche nach der Tochter macht, die inzwischen ein abschreckend dargestelltes Junkie-Dasein führt.

Handlungsschiene drei führt uns nach San Diego, wo die Drogencops Montel Gordon (Don Cheadle) und Ray Castro (Luis Guzman) den Drogendealer Eddie Ruiz (Miguel Ferrer) gefangen nehmen, aus ihm schließlich sogar (unter Zusicherung von Straßerlass) den Auftraggeber herausquetschen. es handelt sich um Carlos Ayala (Steven Bauer), den seine Frau Helena (Catherine Zeta-Jones) bislang für einen loyalen Geschäftsmann hielt, dabei ist er der Hauptabnehmer von Drogen des Tijuana-Kartells der Obergons. Anfangs glaubt Helena an Carlos Unschuld, als ihr aber der Familienanwalt und gute Freund Arnie Metzger (Dennis Quaid), der nebenbei noch scharf auf sie ist, von den Machenschaften ihres Mannes erzählt, weiß Helena, dass sie handeln muss. Aus Liebe? Vielleicht auch, vor allem aber scheint es ihr um den verlorenen Reichtum und die Position in der High Society zu gehen. Sie beschließt, den einzig belastenden Zeugen Ruiz ausschalten zu lassen und entwickelt hierbei Kaltblütigkeit.

Wer denkt, dass am Ende alle Handlungsstränge ineinander laufen zum großen Showdown, der irrt sich, sie treffen sich nämlich lediglich am Rand, gerade so, dass man sie als verbunden bezeichnen kann, wobei sie aber eigenständig bleiben. "Traffic" ist ein großartiger Streifen, der filmisch wie auch inhaltlich überzeugt und toll gespielt ist. Besser als "Gladiator" - unbedingt sehen!

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Tobi)