TRASH
Darsteller:  Rickson Tevez, Eduardo Luis, Gabriel Weinstein, Rooney Mara, Wagner Moura
Regie:  Stephen Daldry, Christian Duurvoort
Dauer:  114 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.trash-film.de
 

Irgendwie fühlt man sich stark an Danny Boyles wundervollen „Slumdog Millionär“ erinnert, so wie der Film einsteigt in die Slums und Müllkippen des brasilianischen Molochs Rio de Janeiro. Tatsächlich sind ja auch die Parallelen unverkennbar, denn die Sorgen und Nöte der Unterprivilegierten sind sicherlich vergleichbar, ob sie nun in Mumbai, Rio oder sonst wo leben.

Es ist die Welt des Halbwüchsigen Raphael (Rickson Tevez) und seinem Kumpel Gardo (Eduardo Luis), die nahezu komplett auf sich allein gestellt tagein tagaus auf einer Deponie der Millionenmetropole nach Verwertbarem suchen, um irgendwie ihr Überleben zu sichern. Doch der Fund einer Brieftasche stellt ihr Leben von einem Moment auf den nächsten auf den Kopf. Die ist nämlich die ehemalige rechte Hand (Wagner Moura) eines in alle möglichen kriminellen Machenschaften verstrickten Politikers auf der Flucht vor dessen Schergen gerade noch losgeworden und hat sie samt Hinweisen fachgerecht auf einen vorbeifahrenden Mülllaster entsorgt. Einmal in den Händen der findigen Jungs gelandet, kann sie dann auch schon losgehen, die abenteuerliche Jagd nach der Wahrheit, in die die sich erst aus reiner Neugier, dann aber mit zunehmendem Wissen um die politischen Schweinereien immer mehr aus Gerechtigkeitsstreben hineinstürzen.

Wie Boyle bei "Slumdog" gelingt es den Regisseuren Daldry und Duurvoort dabei ganz hervorragend, einen mitzunehmen in den Kampf David gegen Goliath, der trotz aller Empörung über die himmelschreiende Ungerechtigkeit von Anfang an aussichtslos erscheint. So aber ist man von Anfang an bei den alle chancenlosen, unterdrückten Menschen dieser Erde repräsentierenden Jungen, um den mächtigen, nur auf die eigene Bereicherung bedachten, Politikern unserer Welt wenigstens einmal einen wohlverdienten Schlag zu versetzen. Und das soll ihnen dank bester Vernetzung in ihrem Milieu trotz bösester Polizeigewalt und sogar Einäscherung eines ganzen Stadtviertels besser als anfangs gedacht gelingen.

Mit jedem widerwärtigen Versuch, Raphael, Gardo und ihren Gefährten Rato (Gabriel Weinstein) auf ihrer Suche nach den Beweisen für die Korruption zu stoppen, gewinnt man die Jungs dabei lieber, haben sie sich doch trotz widrigster Lebensumstände ein hohes Maß an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeitsempfinden bewahrt. Ganz in der Tradition des Berlinale-Siegers "Tropa de Elite" (José Padilha, 2007) taucht man ein in den berüchtigten brasilianischen Korruptionssumpf, in dem schon so einige untergegangen sind. Mit dem heftigen Widerstand unserer kleinen Helden gegen das Establishment allerdings hat wohl niemand gerechnet, und letztlich kann sich das Autorenteam im Zuge der Kontroversen um die Fußball-WM sogar einen kleinen Seitenhieb auf den brasilianischen Fußballverband nicht verkneifen.

So gelingt dem Film der Balanceakt zwischen Abenteuer und Elendsdrama, der aber niemals ins Depressive abdriftet und gerade wegen seines erzeugten hellen Hoffnungsschimmers unheimlich gut unterhält.



Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)