Die Villa

D: Kristin Scott Thomas, Sean Penn, Anne Bancroft, R: Philip Haas, 115 Min.

Romanzen, besonders solche aus der Traumfabrik Hollywood, schrecken einen oftmals durch unwirkliche Liebeshingabe, kitschige Dialoge und offensichtlich konstuierte Inhalte ab, ein vorhersehbares Happy End komplettiert dann noch den Ärger. Dass es auch anders geht, beweist "Die Villa" von Philip Haas nach einer Novelle von W. Somerset Maugham. Natürlich hat man die konträren Charaktere, die eine Liebesgeschichte ausmachen: Mary (Kristin Scott Thomas) ist eine hübsche Engländerin, die viel zu früh zur Witwe geworden ist, und der für ihr kommendes Leben eine finanzielle Absicherung durch einen gesellschaftlich hochstehenden Gatten wichtiger ist als Gefühlsduselei. Rowley (Sean Penn) ist Amerikaner der Marke Frauenheld, nicht unwohlhabend, aber ohne es richtig zu etwas gebracht zu haben, dafür gut aussehend, ehrlich und offen. Beide treffen sich 1938 in Florenz, Italien. Mary wohnt in einer idyllisch gelegenen, großen Vorstadt-Villa, wo ihr der viel ätere Sir Edgar Swift (James Fox) einen Heiratsantrag macht. Liebe verspürt sie nicht, aber als zukünftiger Gouvernour von Bengalien hätte sie mit dem Engländer in Indien ein Leben auf großem Fuß vor sich. Trotzdem erbittet sie sich einige Tage Bedenkzeit, die sie vor allem mit ihrer Freundin, der mutterhaft alten Prinzessin San Ferdinando (Anne Bancroft), verbringt, einer Amerikanerin, die sich in italienische Nobelkreise hineingeheiratet hat. Sie bekräftigt Mary und erzählt ihr von sich, der auch Geld wichtiger war als Liebe und die dies nicht bereut hat. Außerdem erzählt sie von ihrer besten Liebesnacht, als sie einst einen völlig verarmten Mann mit ihrer Liebe beschenkt und ihn dann nie wieder gesehen hat. Fest im Kopf, Swift zu heiraten, nutzt Mary die Zeit und verführt den armen, österreichischen Flüchtling und Violinisten Karl (Jeremy Davies), ganz nach dem Vorbild der Freundin, nachdem sie das Werben von Rowley zurückgewiesen hat. Hiermit beginnen turbulente Tage, mit einer Tragödie um Karl, mit einer Annäherung zwischen Mary und Rowley, mit Dramatik, Spannung und Zusammenhalt.
"Die Villa" bietet einiges mehr als wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Haas konzentriert sich auf die gute Story und arbeitet lieber tiefe Einblicke in die einzelnen Charaktere aus, anstatt Randthemen wie das faschistische Italien zu weit in die Handlung einfließen zu lassen. Eine Romanze der positiven Sorte, mit einem Schuss Drama gewürzt.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)