The Virgin Suicides

D: Kirsten Dunst, Josh Hartnett, James Woods, Kathleen Turner, R: Sofia Coppola, 97 Min.

Sofia Coppola, Tochter von Francis Ford Coppola (der einer der Produzenten des Films ist), hat sich für ihre erste Regiearbeit den Bestseller "The Virgin Suicides" von Jeffrey Eugenides vorgenommen und auch gleich das Drehbuch selbst geschrieben. Heraus gekommen ist ein beeindruckendes Familiendrama, in dem es nicht darum geht, den Ausgang der Geschichte so lange wie möglich offen zu halten. Die Lisbon-Schwestern (13 bis 17 Jahre jung) begehen Selbstmord, wie man gleich zu Beginn erfährt. So steht die Frage nach dem Warum im Mittelpunkt. Warum nimmt sich nicht nur Cecilia (Hanna Hall), die jüngste von fünf Schwestern, die in einer amerikanischen Vorort-Siedlung Mitte der 70er-Jahre aufwachsen, das Leben - warum folgen ihr die Schwestern später nach? Die Hintergründe der Tragödie werden aufgezeigt. Hier kollidieren die strengen Vorstellungen autoritärer und restriktiver Eltern (James Woods und Kathleen Turner brillieren in diesen Rollen) mit den Sehnsüchten und Begierden pubertierender Mädchen. Die hübsche Lux (Kirsten Dunst) ist zwar mit 14 Jahren die jüngste der übrig gebliebenen vier Schwestern, hat es aber bereits faustdick hinter den Ohren und ist sich ihrer Wirkung auf die Jungs in der Schule wohl bewusst. Therese (Leslie Hayman), Mary (A. J. Cook) und Bonnie (Chelse Swain) agieren zurückhaltender, aber auch in ihnen brodelt es, die festen elterlich gesteckten Grenzen durchbrechen zu wollen. Längst sind die Mädchen für die Jungs in der Nachbarschaft zu Objekten der Begierde geworden - allerdings unerreichbar erscheinend. Nachdem sich Cecilia während der vom Psychologen (Danny DeVito) zum Kontaktaufbau mit Gleichaltigen empfohlenen ersten und letzten Party im Hause Lisbon aus dem Fenster gestürzt hatte, schränkt vor allem Mrs. Lisbon die Freiheit ihrer Töchter noch mehr ein. Als Trip Fontaine (Josh Hartnett), der begehrteste Junge der Schule, ein Auge auf Lux geworfen hat, da schafft er es dann aber doch, ihren Vater (der auch sein Lehrer ist) zu überzeugen, die Mädchen zum alljährlichen High School Ball aus der Festung Zuhause für einen Abend zu entlassen...
"The Virgin Suicides" besitzt im Gegensatz zum deutschsprachigen Roman "Die Selbstmord-Schwestern" den Untertitel "Verlorene Jugend", der die Hintergründe für die Selbstmorde bereits umreißt. Sofia Coppola schafft es hervorragend, Situationen, Stimmungen und Bilder sprechen zu lassen, Action wird nicht verabreicht. Die Absurdität der dennoch nicht irreal wirkenden elterlichen Einengung führt stellenweise zu komischen Momenten innerhalb einer tragischen Familiengeschichte. Der Gemütszustand der in ihrer Pubertät verwirrten und träumerischen Mädchen sowie auch anhimmelnden Jungs wird gut dargestellt, von in sich gekehrtem Schweigen bis hin zu aufregenden Momenten des Zusammentreffens mit dem anderen Geschlecht. Ein Film, der auf sensible Weise nachdenklich macht.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)