VORNE IST VERDAMMT WEIT WEG
Darsteller:  Frank-Markus Barwasser, Peter Lohmeyer, Christiane Paul
Regie:  Thomas Heinemann
Dauer:  97 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Weblink:  www.vorne-derfilm.de
 

„Vorne ist verdammt weit weg – wenn man ganz hinten steht“, der Titel ist Programm bei diesem Film, denn Kabarettist Frank-Markus Barwasser versteht sich in seiner Rolle des Erwin Pelzig ganz als Sprachrohr der einfachen Leute. Und er kommentiert die gerne von Politikern oder Industriellen in leitenden Positionen gebrauchte Phrase „wir müssen jetzt nach vorne schauen“ einfach mal aus der Sicht des kleinen Mannes.

Den repräsentiert hier nämlich Erwin Pelzig, als er durch einen blöden Unfall seines Nachbarn (Peter Lohmeyer) dessen Chauffeurjob übernimmt und somit Einblick in industrielle Kreise erhält. Aushilfsweise fährt er mit Eduard Bieger (Philipp Sonntag) den Eigentümer einer Einkaufswagenfabrik, der, sehr vielsagend, nach einem Herzinfarkt gerade wieder genesen ist, und seine Geschäfte nun wieder aufnehmen möchte. Doch er muss feststellen, dass nichts mehr so ist, wie es vorher war. Seine Tochter Melanie (Franziska Schlattner) hat inzwischen das Kommando übernommen und ist gerade dabei, mit ihrem neuen Freund, dem glatten Unternehmensberater Kienze (Tobias Oertel), den Betrieb komplett auf den Kopf zu stellen, Auslagerung der Produktion in die Mongolei (!!!) inklusive. Weil das nicht nur die gesamte Belegschaft sondern auch seinen Nachbarn, der schließlich eine Familie mit sieben Kindern (!!!) zu versorgen hat, den Job kosten würde, sieht sich Pelzig in der Pflicht, schleunigst etwas dagegen zu unternehmen.

Dabei kann er voll auf die Hilfe der Edelprostituierten und Ex-Wirtschaftsanwältin Chantal (sehr sexy: Christiane Paul) zählen, die außer Bieger auch ihre gesamte Klientel aus der Hochfinanz ins neue Gewerbe übernommen hat (!!!). So lässt sich durch das gezielt gestreute Gerücht einer großen Investition der Bieger AG am deutschen Standort der Aktienkurs drücken (!!!), was Bieger eine Rückerlangung der Aktienmehrheit ermöglichen soll.

Hinter dieser Handlung, die doch recht stimmig umgesetzt wurde, verbirgt sich eine wunderbare Gesellschaftssatire, die mit ihrem teilweise bissigen Humor immer wieder voll ins Schwarze trifft. Aber die One-Man-Show des Frank-Markus Barwasser, neben der den anderen Charakteren viel zu wenig Platz eingeräumt wird, ist für einen Kinofilm einfach zu wenig als dass sie einen emotional mitnehmen würde. Darüberhinaus ist die Figur des Erwin Pelzig samt fränkischer Mundart mit seinem teilweise auch recht platten Humor auf die Dauer ziemlich nervend – ob nun gewollt oder nicht.

Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)