DIE WELLE
Darsteller:  Jürgen Vogel, Christiane Paul, Max Riemelt, Frederick Lau
Regie:  Dennis Gansel
Dauer:  107 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.welle.film.de
 

„Die Welle“, das allgemein bekannte Projekt, das seit seiner Durchführung an einer kalifornischen Highschool im Jahre 1967 immer wieder Aufmerksamkeit erregte und inzwischen einige Generationen von Schülern im Geschichtsunterricht beschäftigt hat, erlebt jetzt seine Renaissance im Kino. Genauso wie damals in den USA hat auch in der von Dennis Gansel an das aktuelle Deutschland adaptierten Version alles seinen Ursprung in der Unbedarftheit der Schüler im Umgang mit dem Thema Nationalsozialismus.

Die sind nämlich der Meinung, ein System wie im Nazi-Deutschland hätte in unserer heutigen, aufgeklärten Gesellschaft keine Chance mehr. Diese Überzeugung teilt Jung-Lehrer und Leiter ihres Projektwochen-Kurses „Autokratie“ Rainer Wenger (Jürgen Vogel) überhaupt nicht. Der, ganz der Kumpel-Typ und von allen wegen seines lockeren Stils geschätzt und geduzt, startet daraufhin kurzerhand ein Experiment. Die Schüler haben auf freiwilliger Basis zunächst mal nur aufrecht zu sitzen, beim Antworten aufzustehen und ihn mit „Herr Wenger“ anzureden. Anfangs allseits noch skeptisch und scherzhaft befolgt, sorgt diese Disziplin in Kombination mit erteilter Anerkennung schon am ersten Tag außer bei einigen Abweichlern wie der selbstbewussten Karo (Jennifer Ulrich) für selten gesehenen Enthusiasmus. Schnell wächst die Teilnehmerzahl der „Welle“ und es entwickelt sich an den Folgetagen, an denen außer am uniformen Erscheinungsbild der Mitglieder und der passenden Armbewegung als Gruß auch an weiteren Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmalen – ganz der heutigen Schülergeneration entsprechend: eigene Homepage, MySpace-Blog und Sprayer-Logo samt anschließender, nächtlicher Verbreitungstour – gebastelt wird, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das besonders frühere Außenseiter wie Tim (Frederick Lau) genießen.

Doch nach kurzer Zeit stellen sich die ersten negativen Folgen ein. Nichtmitglieder werden unterdrückt, Kritiker, allen voran Widerständlerin Karo, werden bedroht. Als sich Wenger dann der erstmals Selbstwertgefühl erfahrende Tim auch noch bewaffnet als Bodyguard andient und am liebsten bei ihm einziehen würde, wird dem beim ernsten Streit mit seiner Frau (Christiane Paul) klar, dass das Projekt eine gefährliche Eigendynamik bekommen hat und nur noch durch das Ziehen der Reißleine zu stoppen ist.

Der moderne Anstrich bekommt der neuen Inszenierung ausgesprochen gut, erhält doch die etwas angestaubte Geschichte so einen Aktualitätsbezug, der das Funktionieren des Experiments auch heute noch absolut glaubwürdig macht. Nicht zuletzt Dank der guten Schüler-Darsteller, die mit ihren Klamotten, ihrer Sprache, ja dem ganzen Auftreten authentisch wirken, nimmt man dem Geschehen seinen Tatort, die normale, deutsche Oberschule, jederzeit ab. Auch wenn ihre Rollen teilweise doch arg stereotyp angelegt sind, und die Wandlung von emanzipierten Individualisten zu angepassten Mitläufern etwas schnell vonstatten geht, die Problematik wird durch die Auswirkungen auf das Privatleben jedes Einzelnen und besonders Wengers, von Jürgen Vogel gut transportierter, innerer Zerrissenheit deutlich. Da bedarf es eigentlich keines derart heftigen Schlussakkords.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)