WIR SAGEN DU! SCHATZ.
Darsteller:  Samuel Finzi, Nina Kronjäger, Anna-Maria Mühe, Margot Nagel
Regie:  Marc Meyer
Dauer:  97 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.wirsagenduschatz.de
 

Eigentlich ist das Projekt von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Wie soll denn ein Familienleben unter Zwang und Freiheitsberaubung funktionieren, wenn es schon bei vielen Familien in Freiheit und ohne Repressalien den Bach runtergeht.

Aber das ist Oliver (Samuel Finzi) offensichtlich absolut egal, als er sich seine Familie – Frau, Oma, Kind, Baby und Hund, ein erwachsenes Mädchen gibt’s dann noch gratis dazu - einfach von der Straße weg zusammenkidnappt. Eingemauert in der oberen Etage eines nahezu leeren Berliner Plattenhochhauses (nahezu leer, denn beim ersten Wanddurchbruch gesellt sich zwangsweise noch der renitente Opa hinzu), Vorräte sind Dank Tiefkühltechnik ausreichend vorhanden, soll nun über die Weihnachtsfeiertage ein harmonisches Miteinander etabliert werden.

Was sich anfangs wie ein etwas abgefahrener Anarcho-Film anlässt, der nur auf den schrägen Witz abzielt, bekommt mit fortschreitender Dauer doch erstaunlichen Tiefgang. Denn außer der psychologisch interessanten Extremsituation, in der sich die Versuchsteilnehmer befinden, die übrigens verschiedener nicht sein könnten, gibt es immer wieder Seitenhiebe auf die Abgründe unserer Gesellschaft. So stellt sich bald heraus, dass die Gekidnappten draußen allesamt zu den Außenseitern gehören und nicht unbedingt mit Liebe überhäuft werden.

Ob es nun dem vergessenen Opa ausreicht, in seiner Platte tagein tagaus vor der Glotze zu sitzen, mit dem Lebensmittellieferanten als einzigen Kontakt zur Außenwelt, die Mama von ihrem Mann betrogen wird und vor den Trümmern ihres begehrten Familienglücks steht, Oma sich selbst in die Tasche lügt, dringend gebraucht zu werden, obwohl sie längst abgeschoben wurde oder die Tochter als Einzelkämpferin auf der Straße lebt. Und Regisseur Marc Meyer bringt es im Folgenden fertig, wunderbar die Wandlung der Einstellungen herauszukehren, offenzulegen, wie aus anfänglicher totaler Verweigerung dann doch die Bereitschaft wird, sich den Anderen gegenüber mehr und mehr zu öffnen, bis zum Schluss tatsächlich so etwas wie Verständnis und Vertrauen entsteht. So wird aus dem Film wirklich noch ein Plädoyer für menschliche Werte und dabei fühlt man sich Dank der abstrusen Situation und dem schrägen Humor trotz gelegentlicher Längen auch noch gut unterhalten.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)