Das Wunder von Bern



D: Louis Klamroth, Peter Lohmeyer, Sascha Göpel, R: Sönke Wortmann, 118 Min.

"Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt - Tooor, Tooor, Tooor!" - diese Worte des Reporters des Fußball-Weltmeisterschafts-Endspiels von Bern 1954 kennt man. Woraus also soll ein Film über das "Wunder von Bern" seine Spannung beziehen? Nun, er dreht sich nicht primär um Fußball. Natürlich spielt er eine große Rolle, der Sport, aber um ihn herum werden geschickt mehrere Geschichten erzählt. Zum einen geht es um den Fußballreporter Paul Ackermann (Lucas Gregorowicz), der für einen Schreibauftrag über die WM die Hochzeitsreise mit seiner Frau Annette (Katharina) verschiebt. Doch statt diese enttäuscht und wild in Tränen aufgeht, fährt sie mit dem zurückhaltenden, sympathischen Schreiberling nach Bern. Im Mittelpunkt aber steht das Schicksal der Familie Lubanski. Seit mehr mehr als zehn Jahren haben der elfjährige Matthias, sein Bruder Bruno (Mirko Lang) und ihre Schwester Inge (Birthe Wolter) den Vater nicht mehr gesehen, der nach dem Krieg in russische Gefangenschaft gekommen war. Mutter Christa (Johanna) hat es mit einem Gaststättenbetrieb gut geschafft, ihre Familie in Essen über Wasser zu halten, der Zusammenhalt stimmt. Als Richard Lubanski (Peter Lohmeyer) dann doch heimkehrt, schlägt seine Re-Integration in die Familie fehl, da er hart und unnahbar agiert. Die Kinder verspüren bald schon keine Liebe und wünschen, er wäre nie zurück gekommen, während Christa sie um Geduld bittet, da eine solch lange Trennung von der Familie eben nicht einfach so verarbeitet werden könnte. Vor allem der fußballbegeisterte Matthias, den der Vater vor dem Krieg nie zu Gesicht bekam, ist enttäuscht, auch weil er im Essener Stürmer-Star und Nationalspieler Helmut Rahn (Sascha Göpel) einen Freund und Ersatzvater gefunden hatte, den der Rückkehrer ihm mies macht. Natürlich aber spielt auch die Nationalmannschaft um Kapitän Fritz Walter (Knut Hartwig) und Trainer Sepp Herberger (Peter Franke) eine große Rolle. Man sieht sie auf dem Platz und zwischen den Spielen, wo nicht immer alles glatt läuft.

Sönke Wortmann versteht es prächtig, mehrere Handlungsstränge nebeneinander zu stellen, die emotional völlig unterschiedlich wirken, aber trotzdem nicht kollidieren. Die Geschichte der Lubanskis ist tragisch und betont die Probleme, die viele Männer nach Jahren der Trennung in ihren Familien hatten, auf klare und traurig stimmende Weise. Auch der Rest stimmt. Trotzdem man die Fußballergebnisse kennt, sind die Geschehnisse rund um das Team interessant - und schließlich kennen viele von uns dies alles ja nur aus Büchern, wenn überhaupt. Insgesamt ein einfach toller Film, der weit besser ist, als man erwarten durfte, der einen auf eine Achterbahn der Gefühle schickt, mal erheitert, mal erfreut und oft wirklich berührt.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)