ZERRISSENE UMARMUNGEN
Darsteller:  Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez
Regie:  Pedro Almodóvar
Dauer:  128 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.zerrisseneumarmungen.de
 

Es ist wie so oft bei Almodóvar: Alles fängt ganz harmlos an, aber die Charaktere werden von Anfang an detailverliebt gezeichnet und wecken sogleich die Neugier. Wie wurde der allein lebende, blinde Drehbuchautor Mateo Blanco (Lluís Homar), der sich nur noch Harry Caine nennt, und dem die junge Frau in der Anfangssequenz so hemmungslos verfällt, zu dem was er ist? Welche Geschichte steckt hinter seiner Agentin Judit (Blanca Portillo) und ihrem Sohn Diego (Tamar Novas), die sich um ihn kümmern wie um ein Familienmitglied?

Doch kaum hat man sich diese Fragen gestellt, ist man auch schon mittendrin in der Geschichte, taucht plötzlich der mysteriöse junge Autor Ray X (Rubén Ochandiano) auf und bedrängt Blanco mit einem Filmprojekt. Es werden neue Handlungsstränge sichtbar, die virtuos verwoben Stück für Stück preisgeben von der abgründigen Vergangenheit und ganz langsam ein Gesamtbild ergeben.

Da ist die junge Lena (mal wieder Almodóvars Muse Penélope Cruz), die sich die teure Krebsbehandlung der Mutter nicht leisten kann und sich deshalb in ein Abhängigkeitsverhältnis mit dem alten aber wohlhabenden Geschäftsmann Ernesto Martel (José Luis Gómez) begibt. Der stattet sie im Gegenzug mit allen finanziellen Freiheiten aus und unterstützt sogar ihre Schauspielambitionen, indem er den Film des aufstrebenden Regisseurs Mateo Blanco finanziert, in dem Lena die Hauptrolle übernimmt. Das ist der Anfang allen Übels, findet Lena doch in Mateo die große Liebe, die aber mit Martel als mächtigem Mann im Hintergrund nicht sein darf.

Mit der Überwachung der beiden durch Martels Sohn unter dem Deckmantel einer „Making Of“-Dokumentation, die immer wieder mit verwackelter Handkamera hineingeschnitten ist, nimmt das Schicksal der beiden so allmählig Konturen an, werden Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit deutlich, die auf die klärende Auflösung zusteuern. Immer mehr Details kommen ans Licht, und so sehr auch immer mehr Nebenhandlungen eingefügt werden, verliert Almodóvar doch nie das Ziel aus den Augen, dienen die Episoden nur dem Verständnis des großen Ganzen. Dabei jongliert er meisterhaft mit den Genres Liebesdrama, Kriminalstück und Film Noir und lässt einen gestützt auf sein wunderbares Schauspielerensemble nie aus der Fessel. Ob nun der gezielte Spannungsaufbau, das gekonnte Bildarrangement oder die Anteilnahme an den Schicksalen seiner lebendigen Figuren, es trägt einfach alles zum Gelingen eines von vorne bis hinten stimmigen Films bei.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)