ZETTL
Darsteller:  Michael Herbig, Dieter Hildebrand, Senta Berger, Karoline Herfurth
Regie:  Helmut Dietl
Dauer:  109 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  wwws.warnerbros.de/zettl
 

Regisseur Helmut Dietl knüpft mit "Zettl" an seine sechsteilige, sehr erfolgreiche Fernsehserie "Kir Royal" aus dem Jahr 1986 an, mit der er die Münchener Schickeria und Klatschpresse persiflierte. Damals stand ihm kein Geringerer als Patrick Süskind ("Das Parfüm") beim Schreiben des Drehbuchs zur Seite - was nicht ungewöhnlich war, hatten sie doch schon zusammen die Drehbücher für die ebenfalls heiß geliebte Serie "Monaco Franze" zusammen geschrieben. Später sollten noch Kollaborationen für Dietls Filme "Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1997) und "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2004) folgen. Für "Zettl" hat sich Dietl anderweitige Verstärkung gesucht und das Drehbuch zusammen mit Benjamin von Stuckrad-Barre verfasst - was gut passen sollte, spielt die Handlung doch nun in Berlin, wo von Stuckrad-Barre seit Jahren für unterschiedliche Zeitungen der Axel Springer AG schreibt.

Nachdem Franz Xaver Kroetz keine Lust hatte, in "Zettl" mitzuspielen, erfährt man am Anfang im Comic-Stil, was denn zwischen Mitte der 80er-Jahre und heute mit den Hauptpersonen von damals passiert ist und sie in die Hauptstadt verschlagen hat - wobei Baby Schimmerlos (Kroetz Rolle von damals) ums Leben kam - dafür sind Senta Berger als Mona Mödlinger und Dieter Hildebrandt als Fotograf Herbie Fried wieder mit am Start. Da sind sie nun also in Berlin, und vieles ist gleich geblieben - nicht nur ihr bayerischer Dialekt. Wieder geht es um die Skrupellosigkeit der Medien, wobei diesmal weniger die Schicki-Micki-Szene im Fokus steht, sondern - man ist nicht umsonst in Berlin - die Politik.

Max Zettl (Michael "Bully" Herbig) nutzt die Gunst der Stunde (bei der er stückweise selbst am Zeiger gedreht hat) und steigt vom Chauffeur zum Chefredakteur des brandneuen Berliner Online-Klatschmediums "The New Berliner" auf. Leider weiß er zunächst überhaupt nicht, wie er sich in dieser Rolle denn verhalten soll - ein (natürlich repräsentativ gelegenes und mit extravaganten Möbeln versehenes) Büro muss her, und natürlich ein Team an Redakteuren. Hierbei holt er den inzwischen im Rollstuhl sitzenden Fotografen Herbie (Dieter Hildebrandt) mit ins Boot, was sich als Glücksgriff erweisen soll. Zettls private Beziehung zur schönen Verena (Karoline Herfurth) bringt ihm zudem einige Blicke hinter die Kulissen der Macht. Schon bald wird klar, dass die Politik in der Hauptstadt ein Pulverfass ist, welches explosive Geheimnisse en masse bietet, die bislang noch niemand aufgedeckt hat. Da liegt der Kanzler (Götz George) als krankes Wrack in einer Privatklinik, anstatt wie offiziell verkündet auf Capri am Strand. Ist die burschikose Berliner Bürgermeisterin (Dagmar Manzel) in Wahrheit etwa ein Mann? Das könnte sie sich nicht erlauben, will sie doch den Kanzler beerben. Das will auch der unattraktive, aber notgeile Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern (Harald Schmidt) - der wieder andere Leichen im Keller hat. So wie jeder hier in diesem Film - und das ist es auch, was missfällt, denn so ziemlich alles ist hier so stark überzeichnet, dass jeder Bezug zur Realität gar nicht erst in den Sinn kommt - spätestens als die Bürgermeisterin Zettl als ihren verloren gegangenen Sohn präsentiert, damit er nicht schlecht über sie schreibt - was dieser sich gefallen lässt, öffnet es ihm doch die Türen zur High Society erst so richtig. Schade, der Film hätte als Satire weit mehr Möglichkeiten gehabt. Hin und wieder kann man gut lachen, und die Dialoge geben auch einiges her, aber insgesamt hat man schon stark das Gefühl, dass Dietl hier über das Ziel hinaus geschossen ist und sich mehr auf seine Starbesetzung als das Drehbuch konzentriert hat. Kann man gut gucken, muss man aber nicht.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Tobi)