CTS-MUM
BAZZOOKA (11/00)


"Spar dir einfach die Suche nach der passenden Schublade, nimm lieber gleich eine neue und schreib unseren Namen drauf ..."

Soviel Selbstbewusstsein kann man sich nur leisten, wenn man gut ist, und BAZZOOKA sind verdammt gut. Bazzooka, das sind:
- Brix (voc), der Mann mit der kreativsten Frisur des Winters
- Patrice (voc), der laut eigenen Angaben "eigentliche Liebling der Band"
- Marlon (drums) - von ihm wird behauptet, er sei "der Schönling der Band (alle wollen ihn, aber keine kriegt ihn) und nebenbei der tighteste Drummer des Universums"
- Paul (bass) hat angeblich den längsten Bart der Welt, "gleich nach dem Weihnachtsmann"
- Jenne (git) und Ozzy (git) - über die Beiden schweigt man sich aus, wir wissen jedoch, dass sie Karate trainieren
- DJ Gonzales - Berliner Meister im Scratchen

Eine CD der Band gibt es - noch - nicht zu kaufen, aus dem Grund, dass sie ihre CD lieber auf der Bühne verschenken, um die Musik besser an die Leute zu bringen. Im Übrigen ist sowieso live sehen angesagt, denn es kommt noch um einiges besser rüber als auf CD (wegen Terminen einfach mal auf die Homepage schauen).

MUM: Wann und wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Band zu gründen?

B: Vor eineinhalb Jahren dachten wir uns, bevor wir am Hungertuch nagen, werden wir lieber Rockstars. Wir wollen ja sowieso die Welt verändern, alle unsere Feinde eliminieren und einfach nur machen, was wir wollen. Hotelzimmer zerstören und solche Sachen machen, kann man ja nur, wenn man Rockstar ist, sonst muss man in den Knast, und das wollen wir nicht. Nee, sowas machen wir natürlich nicht. Wir sind eine sehr seriöse Band, uns geht es um Inhalte, um die Musik und Texte.

MUM: Eure Musikrichtung nennt sich Berlin Speechcore - was kann man sich darunter vorstellen?

B: Berlin Speechcore ist eine Mischung aus New Metal und HipHop, mit allen Einflüssen durchsetzt, die die einzelnen Mitglieder mitbringen.

MUM: Von was werden eure Texte geprägt?

B: In unseren Texten ist eine klare Linie zu erkennen, die nicht unbedingt politisch oder religiös ist, die einfach deutschsprachig ist. Es ist eine Linie, die transportiert, was wir denken.

MUM: Und was denkt ihr?

B: Wir denken über bestimmte Sachen ziemlich radikal, ziemlich ungewöhnlich. Es ist schwer zu beschreiben, da muss man sich einfach mal die Texte durchlesen, und das kann man ja auch unter www.bazzooka.de. Es geht um die Dinge des täglichen Lebens, manchmal um überregionale Dinge, die uns einfach nerven. Menschen, die uns nerven, nehmen wir uns ebenfalls vor, wenn wir denken, dass sie Scheiße bauen. Es geht um die Gesellschaft, wie alle Menschen miteinander leben, auf welche Art und Weise sie das tun, und was uns daran stört.

MUM: Was stört euch noch, außer das Miteinander der Menschen?

B: Was uns extrem stört, ist, dass es keine guten Produzenten für unsere Musik in Deutschland gibt. Solche haben höchstens die Amis und vielleicht noch die Engländer. Wir finden es einfach scheiße, dass die Amis uns alles vormachen, unseren Markt überschwemmen und die geilsten Bands anbringen. Im Endeffekt sieht es doch so aus, dass wir unsere Big-Brother Helden und die Soapstars, die sich in die Top 10 stammeln, nicht mehr ertragen können und deswegen zurückschlagen.

MUM: Zurückschlagen?

B: Ja, wir wollen uns von allem abheben, was es so gibt in Deutschland. Wir wollen versuchen, einflussreiche Leute, wie zum Beispiel Plattenfirmen, davon zu überzeugen, dass Deutschland es verdient hat, auch mal 'ne vernünftige Band auf den Markt zu bringen und nicht so'n Grütz wie Schlager und alles, was im Popbereich so rumspringt. Wie zum Beispiel die Band ohne Namen, die unsere absoluten Lieblinge sind, welche wir auch noch schön dissen werden, und Jürgen Drews, auch ein sehr besonderer Liebling von uns. (Nachzulesen auf der Homepage unter der extra eingerichteten "Fuck it"-Rubrik). Außerdem wollen wir Randgruppen wie den Soapstars helfen, die wir bemitleiden, weil sie in Deutschland sehr diskriminiert werden. Die wollen wir wieder auf den rechten Pfad bringen, vorausgesetzt, sie hören auf, Musik zu machen.

MUM: Findet ihr gar nichts gut, was im Moment auf dem Markt ist?

B: Doch klar, aber wir reden jetzt nur über die Negativbeispiele.

(Etwas später bekamen wir doch noch aus den Jungs raus, welche Bands sie gut finden und zwar mit der Frage:)

MUM: Wer sind eure Vorbilder?

Brix: Rage Against The Machine, weil sie ohne Rücksicht auf Konsequenzen ihr Ding durchziehen - und Marianne und Michael, wegen ihrer jahrelangen Zusammenarbeit.

Patrice: Madonna, weil sie wahrscheinlich die schärfste Geschäftsfrau auf diesem Planeten ist und trotzdem noch geile Musik macht. Die Gruppen Super und 23Spirit aus Berlin sind für mich auch Vorbilder.

Marlon: Limp Bizkit, weil sie live genauso geil rüberkommen wie auf Platte. Papa Roach sind geil, die haben wir im Razzle Dazzle gesehen. Red Hot Chilli Peppers - extrem coole Band. Fatboy Slim, Massiv Attack, Faith No More, ...

MUM: Okay, das reicht, ihr sollt nicht nur Werbung für andere machen.

B: Genau - Bazzooka! Der Hammer, extrem geile Band! Genug Eigenlob, nächste Frage.

MUM: Was war das letzte Konzert, auf dem ihr wart?

B: Papa Roach am 11.10., im Razzle Dazzle. Geile Band, sehr guter Techniker.

MUM: Ist euch die Techik wichtig?

B: Absolut wichtig. Wir sind eine sehr moderne Band und wir lieben die Technik. Ohne einen guten Techniker ist die Band nur halb so viel wert. Wenn der Techniker nicht weiß, wie er mit der Musik umgehen soll, kannst du nach vorne raus keinen guten Sound erzeugen. Und da man nach vorne raus sowieso nichts hört (man hört nicht was das Publikum hört), muss man sich voll auf seinen Techniker verlassen können. Deswegen haben wir auch zwei feste Techniker.

MUM: Zwei feste Fans habt ihr auch schon. Im Ernst, habt ihr schon Fans?

Marlon: Auf dem letzten Konzert hab ich einen Typen mit einem Bazzooka-T-Shirt gesehen, und da bin ich natürlich gleich hin und frag ihn so: "Ey krass, erster Bazzooka Fan?" und da sagt er, eigentlich sei er ja zufällig hier. Ja, also unsere Fan-Base entwickelt sich prächtig. Unser erster Live Gig war am 1. April 2000, seitdem haben wir 40 Gigs gespielt (unter anderem haben Bazzooka Goldfinger bei ihrer Deutschland Tour im Juni supported!), sind extrem viel unterwegs und spielen viel - und die Leute finden's geil, und wir finden's geil, wenn es die Leute geil finden. So finden immer mehr Leute zu unserer Musik, und weil wir jeden Fanwunsch erfüllen, werden wir immer mehr Fans kriegen - hoffentlich. Dementsprechend kann sich jeder vorstellen, es wird größer und besser ...

MUM: Und irgendwann...

B: Irgendwann sind wir mal Millionäre. Aber wir werden sowieso unsere Kohle spenden. Uns geht es eigentlich gar nicht ums Geld. Die Sache ist doch die, wenn man gute Musik macht, kommt das Geld von ganz alleine - deswegen kümmern wir uns nicht darum. Und wenn wir genug haben, werden wir auch genug davon spenden. Wir brauchen keine Reihenhäuser oder gekaufte Wohnungen, werden wir auch nie brauchen. Wir waren schon immer arm, werden auch immer arm bleiben, egal wie reich wir sind. Denn wir waren schon immer reich, reich an Erfahrung.

MUM: Bei so viel Erfahrung, macht ihr da Musik und Texte selbst?

B: Texte, Musik und Produktion machen wir alles selbst. Wir haben ja keine Lust, das Geld dafür anderen in den Rachen zu werfen. Wir versuchen, so viel wie möglich unter Kontrolle zu behalten, um so unabhängig wie möglich zu sein und, wenn es geht, immer so authentisch und entspannt wie jetzt.

MUM: Statement zum Schluss: wie seid ihr auf euren Namen gekommen?

B: Das war ein langer Prozess, der sich über mindestens eine halbe Stunde hingezogen hat. Nee, Bazzooka ist einfach treffend. Für die, die es nicht wissen, Bazzooka ist 'ne Waffe, so ähnlich wie 'ne Panzerfaust, und da das Ding immer genau auf die 12 trifft und unsere Texte und unsere Musik dementsprechend sind, dachten wir uns, nennen wir uns Bazzooka...

MUM: MUCKE UND MEHR
B: BAZZOOKA (Patrice, Brix, Marlon)

(Esther und Andrea)