The Assessment
Darsteller: Elizabeth Olsen, Himesh Patel, Alicia Vikander, Minnie Driver
Regie: Fleur Fortuné
Dauer: 114 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.capelight.de/the-assessment
Facebook: facebook.com/capelightpictures
Instagram: www.instagram.com/capelight_pictures
Kinostart: 3. April 2025
Mit “The Assessment” legt Regisseurin Fleur Fortuné ihr Spielfilmdebüt vor, die zunächst Werbeclips und Musikvideos – auch für Größen wie Drake oder A$AP Rocky – drehte und sich dann mit dem 14-minütigen 2017er-Kurzfilm “Birds in the Trap” zum zweiten Album von Rap-Star Travis Scott und dem 2018er-Kurzfilm “Dream Thieves” in Richtung längerer Produktionen bewegte. Nun beschert sie eine Fusion aus Science-Fiction, Thriller und Drama, für die sie mit Oscar®-Preisträgerin Alicia Vikander (“The Danish Girl”) und Marvel-Star Elizabeth Olsen (“WandaVision”) zwei namhafte Darstellerinnen vor die Kamera bekam, und auch den dritten Protagonisten Himesh Patel kennt man ja schon gut aus Filmen wie “Tenet” und “Don’t Look Up” oder den TV-Serien “Damned” und “Station Eleven”.
Wir sehen ihn als Aaryan, der in nicht allzu ferner Zukunft zusammen mit seiner Frau Mia (Olsen) in einer vom Klimawandel zerstörten Welt unter einer künstlichen Atmosphären-Kuppel in einem abgeschieden auf einer Klippe am Meer liegenden, modernen Haus lebt. Beide sind sie Forscher, er auf dem Gebiet virtueller Realitäten, wo er gerade versucht, die Felltexturen nicht-realer Tiere zu optimieren, während sie in einem Gewächshaus Pflanzen züchtet und untersucht, die für das Fortbestehen der Menschheit wichtig werden könnten. Das intelligente Paar versteht sich anscheinend bestens und hegt einen Kinderwunsch. Nun ist es allerdings nicht mehr so, dass man – bzw. Frau – durch althergebrachtes Kopulieren einfach so schwanger werden darf, hierfür muss man sich erst offiziell bei der Regierung anmelden und dann eine Eignungsprüfung durchlaufen.
Für diese steht dann eine Gutachterin namens Virginia (Vikander) vor der Tür und stellt nicht nur diverse Fragen, sondern erklärt dem verdutzten Paar auch, dass sie nun für sieben Tage bei ihnen leben werde, um dann ein Urteil zu fällen. Und als wenn es nicht ungewöhnlich genug wäre, über so eine lange Dauer genau unter die Lupe genommen zu werden, bleibt es nicht dabei, dass Virginia den Alltag des Paares begleitet, es aus massig Plastikteilchen ein Kinder-Iglu bauen lässt oder auch einfach mal beim Sex obersvierend spioniert. Plötzlich verhält sie sich wie ein Kleinkind, möchte mit im Bett der “Eltern” schlafen, wirft mit Essen, heult unerwartet los und stellt die beiden so vor ungeahnte Herausforderungen, bei denen sie nicht genau wissen, ob denn nun Strenge oder Gelassenheit ins gewünschte Schema passen. So wird die Woche eine äußerst besondere, die auch die Beziehung von Mia und Aaryan auf eine Probe stellt und deren Ausgang nicht abzusehen ist.

Ehepaar Aaryan (Himesh Patel) und Mia (Elizabeth Olsen)
(© capelight pictures)
Für “The Assessment” nahm Designer Jan Houllevigue bei den letztjährigen British Independent Film Awards den Preis für das beste Szenenbild entgegen – und das kann man gut nachvollziehen in dieser besonderen, mal ganz anders dystopischen Welt, in der es unserem kinderwünschenden Paar ja in seiner stylischen Isolation am Meer noch gut geht, während die vom Staat Unerwünschten irgendwo in Verdammnis leben.
Der Film konzentriert sich zum größten Teil auf Mia, Aaryan und Virginia, die allesamt stark gespielt werden. Elizabeth Olsen, die spätestens mit ihrer Rolle der Wanda Maximoff bzw. Scarlet Witch in verschiedenen Marvel-Filmen und oben besagter Serie dem einstigen Schatten ihrer älteren, als Zwillinge bekannt gewordenen Schwestern Mary-Kate und Ashley entschlüpft ist, verkörpert die eigentlich selbstbewusste, nun aber ins Zweifeln kommende Pflanzenforscherin ebenso überzeugend wie Himesh Patel ihren Technik-affin ambitionierten, den neuen Herausforderungen wechselhaft entgegentretenden Gatten. Die schon in “Ex Machina” (2015) als Androidin Sci-Fi-erprobte Alicia Vikander komplettiert das zentrale Trio in strenger Optik mit fast schon roboterartigem Auftreten, um dann völlig konträr in die Rolle des Kinds geschlüpft mal so richtig die Sau rauszulassen – oder auch in anderer Funktion, auf die wir hier zur Spoiler-Vermeidung nicht näher eingehen möchten.
Neben den Dreien gibt es in “The Assessment” nur wenige Rollen, wobei Minnie Driver einen famosen Gastauftritt als Zynikerin hat in der Runde der zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladenen Paare, die schon Kinder haben durften – welches komplett aus dem Ruder läuft. Fleur Fortuné gelingt es, einen mit dem Film zu unterhalten und auch zum Nachdenken zu bewegen, nicht nur über mögliche ausartende Kontrolle des individualen Lebens in einer von Klimakatastrophen geprägten Zukunft, sondern auch darüber, wie man sich denn nun selbst verhalten würde bei den gezeigten, unerwarteten Prüfungselementen. Am Ende gibt der Film dann zwar etwas zu viele Antworten auf die Fragen, die sich einem vorher ins Hirn gesetzt haben, ist aber trotzdem sehenswert.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten
